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Liberales Judentum · 1915-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1915) · p. Seite 59

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Wally Leiser: Arn Einsamen 59 würde, was im Felde praktisch gelöst worden ist. — Diese Zeit des religiösen Auflebens, des Lindringens des religiösen Gedankens in die Tiefe der Volksseele, sie muß auch von dem Judentum genutzt werden. — Lassen wir nicht wieder die Besten und Edelsten enttäuscht bei Seite treten, lassen wir sie in der Religion Ausrichtung finden, und lassen wir alles ausfallen, was wir wohl mit Pietät verehren, was uns aber kein lebendiges Erlebnis mehr ist. Gehen wir mit der Zeit, ' sonst geht die Zeit über uns weg. Die Schicksalsstunde des religiösen Liberalismus ist gekommen, sie soll uns nicht untätig sehen, wir leben in einer Zeit der religiösen Wiedergeburt, lassen wir auch aus ihr das Judentum zu neuem Leben entstehen. — Den Einsamen. Von?rau Wally besser-Volen. chon einmal ist an dieser Stelle an Euch, Ihr Frauen, das Wort gerichtet worden, — doch heute gilt den einsamen Frauen, den fungen, einsamen Müttern, mein Gruß. Vieles lehrt die Zeit in ihrem Wechsel an Leid und Freude, aber das Leid differenziert die Seele des Menschen, und die Einsamkeit bringt den Menschen sich selber am nächstein Darum gibt es keine traurige Einsamkeit im Alleinsein, sondern nur im Unverstandensein unter Vielen, und man sollte sich Luch, Ihr einsamen Frauen, nicht mit Mitleid, sondern nur mit tiefem, innigem Verstehen nähern. Einsam seid Ihr, denn Eure Männer kämpfen draußen auf blutigem Felde. Wahret Ihr indessen in Eurem stillen Seim den Frieden und das Glück. Doch wie könntet Ihr den Frieden um Euch wahren, wenn er nicht in Euch lebt und Eure Seele erfüllt? wecket ihn in Eurer Seele, schaffet ihm Raum in Eurem Kerzen, daß er Euer Wesen durchtränke und Euren Augen den ruhigen Glanz glücklicher, edler Menschen verleihe. Doch wo findet Ihr den Frieden in dieser friedlosen Zeit, — wo das Glück inmitten Unglücklicher? — Gehet zu Euren Rindern, Ihr Einsamen, betet mit ihnen für das Leben ihres Vaters, teilet mit ihnen den Raum und die Gedanken. Reine Zeit vordem forderte so viel von Euren werten, lasset sie denen zukommen, die sie am nötigsten brauchen: Euren Rindern. Reine Zeit vordem ließ Euch zu dieser sittlichen Größe wachsen, lasset sie Euren Rindern zum Vorbild werden. — Reine Zeit vordem forderte so viel Opfer an Menschen, an bestem, blühendsten Leben, — ziehet ein Geschlecht heran, das als Träger siegreichster deutscher Rultur auch dem Judentum zum größtem Stolze gereiche! weibliche milde Sünde regen sich eifrig zu wohltätigem Werk. 'Jeder ist dort an seinem Platz, Silfe wird überall gebraucht, und aufopfernder Dienst füllt mit fast übernatürlicher Stärke jede Lücke, die an Arbeitskräften entsteht. Deshalb kann man wohl sagen, es ist keiner zu viel, aber auch nicht einer zu wenig. Ihr Frauen, die Ihr an Euer Saus gefesselt seid, Eure.Dienste außerhalb desselben nicht zur Verfügung stellen könnt, wisset, daß Ihr gleichwertig wichtige Arbeit verrichtet. Lasset mich erst zu denen sprechen, bei denen die Sorge um das tägliche Brot die Bürde der Zeit erschwert. Leidvoll ist Euer Morgen, Ihr Frauen, und leidvoll Euer Abend. Eure fleißigen Sände gönnen sich keine Ruhe, und Eure Gedanken gehen schwerbeladen dahin. Eure Rinder spielen

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