Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Uekrreinstirnrnrmg jüd. Grundgedanken mit den Idealen der deutschen Gegenwart 51 tische .Begriff „Gott" Fleisch und Blut geworden ist, indem der Fromme sich mit „seinem" Gott verbindet, so erreicht die Volksgemeinde ihren Aufstieg, wenn sie mit „ihrew" Gott eins wird. Darin liegt keine Gefahr für die Menschheit, wie der Einzelne „seipneu" Gott nicht den: anderen streitig macht, sondern Gott preist, wenn möglichst, oft ein Einzelner ihn als „seinen" Gott findet, so streiten wir auch als Volk mit den andern Völkern nicht um den Besitz Gottes, wir gönnen ihnen diesen Besitz. Und so ist auch die religiöse Stimmung, die durch das Wort von dem „deutschen Gott" charakterisierbar ist, nicht mit dem Schlagwort „minderwertige Volksreligion" beschrieben und abgetan; die Losung vom deutschen Gott symbolisiert nur jene Stählung, jene Heroisierung unserer Religion, die uns die harte Zeit gebracht hat, und in der Geschichte sind die Zeitalter solcher Religionsstählung immer Höhepunkte." wir haben dem nichts hinzuzufügen, und wünschen nur, daß man auch später sich dessen erinnern möge. — Der Gott des Judentums ist ein Gott des Rechts und der Gerechtigkeit. Er ist auch ein Gott der Liebe. Propheten und psalmilsten sprechen von Gdtt als dem Vater, es geht durch die ganze rabbinische Literatur der Gedanke von der Liebe des Ewigen ohne welche die Welt nicht bestehen könne — aber einer Liebe gebaut auf Gerechtigkeit. Dhne diesen Glauben an den gerechten Gott, ohne die Zuversicht des Rechts wäre nie ein solch einhelliges Aufflammen in diesem Kriege möglich gewesen: auch die Gegner müssen an das Recht appellieren, mögen ihre Leiter es selbst immer glauben oder nicht. Das Recht ist jm Leben der Völker eine Machet geworden, nicht berechenbar und nicht wägbar, aber von ungeheuerster Wucht. „Er legte Gerechtigkeit wjie einen Panzer an" so erschien Gott einst in den Stürmen der Zeit den Propheten — so schreitet er uns wieder durch Blut und Eisen, durch die Gegenwart, was trotz allem Nachweis und trotz aller Abwehr nicht gelang, das Schlachtfeld hat es vollbracht: ein christlicher Seelsorger erklärte, was er keinem Buche habe glauben wollen, das sei ihm in den Lazaretten aufgegangen, daß die höchste Gerechtigkeit die höchste Liebe sei und daß ein Gegensatz zwischen beiden nicht bestehe. Dem Attribut der Gerechtigkeit steht für den Menschen gegenüber die Pflicht. „ N i 2 - woh Pflicht" ist Anfang, Mitte und Ende der jüdischen Religion. Man hat das nüchtern und kahl gescholten; man hat eine andere Religion prophezeit, in der Kunst und Heiter!- keit der Sinne den Menschen über die harte Wirklichkeit in das Reich der .Träume und der Freiheit führten. Es ist wahr, au der wiege des Judentums stand nicht des Künstlers Phantasie, in lichten heiteren fallen wurden nicht die Götter verehrt, die in Bäumen und Quellen und Bergen lebten und webten, nicht Musik und Spiel sollten uns der Welt. entrücken — an der wiege dds Judentums stand: die Not. Die harte Not der Armen und Unterdrückten, die Not der Waise und des Fremdlings, die Not derer, die um ihr Recht bitter kämpfen «mußten. Einfache Pflichterfüllung wird verlangt, wir wissen nicht, ob es jene Religion wie man sie erträumt jemals gegeben hat, ob sie nicht viel mehr Sehnsucht als geschichtliche Wirklichkeit ist, aber so viel dürfen wir sagen, sie würde zerbrechen, beim ersten Sturm. Und wieder trifft hier das Judentum mit der Zeit und mit dem tiefsten deutschen Denker zusammen, der die Pflicht also umschreibt: „Pflicht, du erhabener großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichlung bei sich führt in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst. . . . " Unterwerfung des Ich unter die Pflicht, unter die Idee, das Gemeinsame. Das Judentum hat es geübt und