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Liberales Judentum · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. Seite 41

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 41 (sequence 17)
Language
German
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41 Ar. Salzberger: Aus meinem Kriegstagebuch IV. miternährt. Manchenorts, so in den Städten dürfen sie ihre Läden weiter offen halten. Der Verkehr zwischen den Einwohnern und ihren ungebetenen Gästen vollzieht sich in freundlichen, ja herzlichen Formen. Trotz des als ständige Phrase wiederkehrenden „Ob la guerre quel malheur pour nous, pour vous et pour tout le monde!" empfinden die nieisten den Zustand nicht als großes Unglück; sie lachen und scherzen. Wetterharte Landsturmnränner sieht man kleine Kinder auf dem Anne wiegen, und nichts ist drolliger als ein Gespräch zwischen unseren großen Feldgrauen und diesen kleinen Schmutziggrauen, wobei aufgeschnappte Wörter der fremden Sprache in grotesker Entstellung unterlaufen. Die Straßen und Fahrwege sind dank deutscher Zucht ohne Zweifel sauberer, als sie jemals in Friedenszeiten waren, obwohl sie eben jetzt viel mehr benutzt werden. Denn das muß jeder unparteiische Beobachter zugeben: Ordnung und Sauberkeit sind in diesem Lande nicht zuhause. Alles ist auf den äußeren Schein berechnet, ein Zeichen, daß der eigentliche Inhalt dieser ehemals berühmten Kultur in Schwinden begriffen ist und die übrigbleibenden kultivierten Former: ihn nur mehr Vortäuschen: Zivilisation, nicht Kultur. — Ende Dezember bin ich vom Sitz der .. ten Infanterie--Division nach den: des ' Armee- Gberkommandvs übersiedelt, um von hier aus die ganze .. te Armee bereisen und damit der mir von vornherein gestellten Aufgabe gerecht werden zu können. Als ich das erste Mal, Mitte September, Z ... besuchte (um die gleiche Zeit wie Sven bjedin), gab es noch keine Bahnverbindung. Jetzt kann man von Sedan her, immer der Maas entlang, in den bequemsten belgischen Durchgangswagen nicht allein bis Z«..., sondern noch eine beträchtliche Strecke weiter nach Süden fahren. Was der bewundernswerte Ausbau des Bahnnetzes in Feindesland für den Abtransport verwundeter, ganz besonders aber für den Transport zum Gefecht bestimmter Truppen und des notwendigen Materials bedeutet, läßt sich leicht einsehen, auch wenn die großen Siege im Osten es nicht bewiesen. Allerdings bestand bereits eine französische Bahnlinie von Metz nach Verdun; aber sie war zerstört. Auch jetzt noch sind die Uhren an den Bahnhöfen ohne ihre Zeiger, die bis 24 liefen. Aber die Zeit geht weiter. Noch gibt der deutsche Fahrplan am Bahnhofsgebäude nicht die Stunde an, zu der man Verdun erreicht. Aber auch diese vielleicht wichtigste Station ist auf dem jAane bereits vorgedruckt, und auch die Stunde wird schlagen, wo der erste deutsche Militärzug unter donnerndem Jubel in ihren Bahnhof ein- ' läuft. Z... ist ein freundliches Städtchen, das äußerlich durch den Krieg beinahe gar nicht gelitten hat. Nur die starke steinerne Maasbrücke, die man auf dem Wege von der Bahn passieren muß, ist, wie viele andere in der Umgegend, von den Franzosen gesprengt und von unseren Pionieren durch eine Golzbrücke ersetzt worden. Ein ausgebranntes bsaus steht am gleichen Wege. Zwei oder drei Gäuser am Go spitalplatz sind bis auf den Grund zerstört — das Werk deutscher Fliegerbomben aus dem Anfang des Feldzugs. Z... hat schon in FriedenSzeiten viel Militär beherbergt. Das Militärhospital hat nach dem Einzuge der Deutschen seine Bestimmung nicht zu wechseln brauchen; mit den beiden langen Kasernen der Artillerie und Infanterie, die jetzt als Seuchenbezw. Leichtkranken-Lazarett benutzt werden, bildet es eines der Kriegslazarette der Armee. Nur der große, geradezu vornehme Musikpavillon auf dem Place de.. . ., den Gäaser mit altertümlichen Arkaden umsäumen, bleibt leer. Zu Arbeitsräumen des Oberkommandos sind die Zimmer einer Schule eingerichtet worden. Gier laufen. Hunderte elektrischer Drähte, aber noch viel mehr un-

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