Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 38 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Ar. Tobten;: Krgeisterung 0 o o o Man ist überrascht, wertvoll ist nur., und dennoch bleibt es dabei, daß diese und! jene Vorschrift, auch wenn sie dem einzelnen nichts bedeutet, keinerlei religiöse werte auslöst, daß sie dennoch unerläßlich sei. Müssen erst die Formen den religiösen Sinn erzeugen? Das wäre das Ende der Religion. Und weil wir von dem Wahn befreit sind, daß die Formen schon die Religion seien, darum heißen wir Liberale. Ls ist die Tat unserer Gemeinschaft und ihrer Führer zumal, daß sie den offenen Kampf wagten gegen den Glauben an die Macht der Form im Judentum. Daß sie das wesentliche der Religion erkennen lehren und ihm zum Sieg verhelfen wollen. Für eine „Reform" bleibt da kein Raum, es sei denn, reformieren bedeute, der religiös gestimmten Seele die Wege weisen, daß sie sich frei ausleben könne. Dann aber ist Reform nichts andres, als Erziehung zur Wahrheit. Begeisterung. Von Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld. Immer und notwendig siegt die Begeisterung für das Ewige über den, der nicht begeistert ist. Nicht die Gewalt der Arme, noch die Tüchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemüts ist es, die Siege erkämpft. Fichte. ins hat der furchtbare Krieg, den wir führen, in uns allen geweckt: Begeisterung. Wofür begeistern wir uns? Für den vaterländischen Boden? Für die heimatliche Scholle? Sicherlich. Aber das allein ist es nicht. Begeisterung auch für Freiheit und Recht, für jene ewigen Kulturgüter der Menschheit, die die Besten unseres Volkes mit haben schaffen helfen; Begeisterung, die an das Göttliche in der Welt glaubt und in dem Wesen der eigenen Nation den vollkommensten Ausdruck dieses Göttlichen erlebt. Echte Begeisterung opfert sich selbst, um das Göttliche im Volke dadurch zu retten. Das ist der Idealismus des Deutschen: er verliert sein persönliches Leben an das Leben seines Volkes, we-l er im Leben des Volkes sein kleines Selbst in idealer Größe wiederfindet. Für sein Volk geht er freudig in den Tod; er stirbt gern, wenn nur sein Volk dadurch erhalten bleibt, denn im Leben des Volkes lebt er selbst ein ewiges Leben: irdische Unsterblichkeit. Solche Begeisterung vollbringt Wunder an Opfermut und' Tapferkeit. Und was sie tut, tut sie immer als etwas Selbstverständliches : von innen heraus. Sie kann nicht anders. Deshalb urteilt sie auch so schroff über die Menschen, die sich des Selbstverständlichen rühmen oder es zum Gegenstände der Berechnung machen. Echte Begeisterung zählt ihre Taten nicht auf. Sie spricht nicht von ihren Verdiensten. Mich berührt es darum immer peinlich und schmerzlich, wenn ich hie und da hören und lesen muß, wie man die Heldentaten von Glaubensbrüdern unter stolzem Hinweis auf ihr religiöses Bekenntnis preist und feiert: ein Jude hat die tapfere Tat vollbracht, ein Jude wurde mit dem eisernen Kreuz geschmückt! Lin Jude? Ach nein! Sein jüdisches Bekenntnis hat mit seiner Tapferkeit nichts zu tun. was er draußen auf dem Schlachtfelde leistet, das vollbringt er so selbst^- verständlich wie jeder andere inheiliger Begeisterung als Deutscher für .sein deutsches Volk, in dem er weiterlebt, auch wenn er nicht mehr ist. Für die kommenden Geschlechter mag die Wissenschaft in stiller, geräuschloser Arbeit feststellen, wie auch der deutsche Jude in unserer großen Zeit seine Pflicht erfüllt hat