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Liberales Judentum · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. Seite 36

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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36 Alfred Michaelis: Wahrheit land uns bedeutet; wir wissen aus der Konstellation dieses Weltkrieges -zu gut, was Deutschland für die Welt bedeutet. Uns mu!ß unser Recht einmal werden, wie ihm sein Recht einmal werden muß. Gb schneller, ob langsamer, — gleichviel; als Sud en wie als Deutsche wünschen wir nichts sehnlicher als: Deutschland überall voran, als Süden wie als P e u t s che kennen wir kein höheres Kultur-Sdeal als: Deut sch la nd, Deutschland über alles, über alles in der Weits Wahrheit. Von Hlfred JTlichaelis-Hamm i. W. ' 1 as ist gleichsam das unsichtbare Siegel der Aeit, fetzt und künftig: der Wille zur Wahrheit. Freilich, nie feierte die. Lüge lautere Triumphe, als fn den ersten Wochen dieses gewaltigen Geschehens, dessen volle Bedeutung wir Lebenden nur ahnen. Nichts aber erschien uns damals so ergreifend und erhebend zugleich, wie das Bekenntnis zur Wahrheit, das der erste Beamte des Reichs freimütig ablegte, als er vom Einmarsch deutscher Truppen in Luxemburg und Belgien sprach. Das Bekenntnis w!ar der Ausdruck der alle beherrschenden Gewißheit und hatte so fast symbolische Bedeutung: unsere Sache ist rein, wir haben nichts zu verschleiern. Und wir fühlten mit stolzer Zuversicht, daß dies Bewußtsein der deutschen Volksgemeinschaft die Ueberlegenheit sichere, die zu allen Zeiten der Wahrheit im Kamps gegen die Lüge den Sieg verbürgt hat. wie alles enden, was uns die Zukunft bringen wird, ist uns heute noch verschlossen. Niemand kann uns. verwehren, darüber nach den wundervollen Erfolgen der deutschen Waffen stille Hoffnungen zu hegen; darüber heute zu sprechen, erscheint unziemlich. Aber das wissen wir, daß dieser Krieg nicht weniger aufbauen wird, als er zerstört. Aufbauen, indem er in Trümmer schlägt. Das wahre, das Echte und Rechte hat sichin dieser Sturmzeit, die wir' Wie im Traum durchlebe,:, so glänzend bewährt, daß wir auf seine göttliche Kraft auch künftig bauen können. Aller Schein, alles Falsche, Schiefe, Hohle, alle Heuchelei ist erkannt und gerichtet. Deutschland fand wieder einmal den uralten Rkaßstab, der der Welt so oft abhanden kam: Wahrheit. Nach dem Frieden, der vielleicht ein ewiger, sicher ein langwährender sein wird, soll mit diesem Maß gemessen werden, wehe allen, die es nicht als vollwertig erweist. Auch die deutschen Süden, wenn sie an ihre religiöse Betätigung denken, mögen die Probe fürchten, was uns, und gerade uns liberalen Süden, den ^Gedanken an unser Verhältnis zur Religion so schwer erträglich macht, das ist der Widerspruch zwischen dem Glauben im tiefsten Sinne und fenen Erschcinugsformen, von welchen die Richtlinien sprechen, wir wissen, daß da unsere Wege nicht immer gerade laufen. Man soll die Zeremoniälgesetze nicht abschaffen, aber halten soll sie nur, wer an sie glaubt. Wer fühlt, daß sie es sind, die ihn mit der Gottheit verbinden. Denn ihr ganzer Sinn ist: Heiligung. Daher wird niemand über naive Gläubigkeit spotten, wenn sie sich den Vorschriften in aller Wörtlichkeit beugt. Aber es muß verpönt sein, äußerlich die Geberde der Ehrfurcht vor dem Ueberkommenen anzunehmen und im Herzen nichts von Erhabenheit und weihe zu empfinden. Wer unter

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