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Liberales Judentum · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. Seite 33

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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o o Nr. Mas Frrudenthul: Urligionsgrschichtlichr Betrachtungen znm Kriege 33 mit zu jenen Kreiifen, denen der Krieg gegen Deutschland für Rußland höchst unsympathisch ist, und sie können auch gar nicht anders als solches Unbehagen empfinden. Denn auch für sie ist „und hleibt Deutschland das jüdische Mutterland. Waren es doch nicht bloß spanische Juden, die von Amsterdam her, sondern auch deutsche Juden, die von Hamburg her nach vierhundertjähriger Verbannung der Juden aus England dieses gegen Ende des 17. Jahrhunderts wieder besiedelten, und die Namen der berühmten jüdisch-englischenadligen Familien, Goldschmidt, - Rothschild, Worms, Stern, bekunden durch ihren Klang schon ihre deutsche Abkunft. Es würde schlecht zu dem konservativen Geist und zum Aber, wenn wir schwarze Streitkräfte verwenden, so geschieht es zu weißen Zwecken, während Deutschland weiße Streitkräfte zu schwarzen Zwecken verwendet. Aber es ist noch nicht einmal sicher, daß die russischen Juden weiter leiden werden, wenn England nur erst von diesem teutonischen Albdruck befreit ist, Versicherungen, die ich den Vorzug hatte, von Sir Edward Grey zu empfangen, daß er keine Gelegenheit versäumen würde, die Emanzipation der russischen Juden zu fördern, bezeichnen einen Wendepunkt in deren (Geschichte, indem sie an die Stelle windiger russischer Gerüchte eine feste politische Grundlage der Hoffnung setzen, lind dies ist nicht die bloße Aeußerung eines Politikers in Nöten. Ich bin in der Cage zu erklären, daß sie den Standpunkt des Besten englischer Anschauungen widergibt. Mit Vertrauen appelliere ich darum an amerikanische und andere Juden neutraler Staaten, daß sie nicht durch den Schatten Rußlands ihre Sympathien von dieser unüberwindlichen Insel fernhalten lassen, die jetzt wie so oft zuvor für die Menschheit kämpft, und die auch noch Rußland und Deutschland zivilisieren wird. Stammbaumstolz englischer Säuser passen, wollten sie den natürlichen Zusammenhängen, die sie mit uns deutschen Juden verbinden, noch dazu um Rußlands willen untreu werden. Es Mag von Interesse sein zu hören, daß ' auch Unter den indischen Truppen, die die Engländer auf das europäische Schlachtfeld geschleppt haben, sich Juden aus dem Stamm der Beni Israel befinden, die schon vor der zweiten Tempelzerstörung sich in Indien niedergelassen haben und vor allem von deutschen Gelehrten entdeckt und erforscht worden sind. Der Präsident einer angesehenen hindustanischen Vereinigung, dem man diese Nachricht verdankt, sprach dabei seinen Schmerz darüber aus, daß man diese Gurkas zwinge, mit dem Schwert in der Hand ihren Dank denen abzustatten, die so unendlich viel zur Verbrejitung und Förderung der indischen Literatur beigetragen, ein Schmerz, der freilich die englischen Staatsmänner mit ihren Geschäftsidealen, die sie selbst an diesen furchtbarsten aller Kriege anlegen, sehr wenig rühren wird. Daß übrigens auch Im französischen Heere Juden aus den Kolonien stehen, dürfte bekannt genug sein; auf unserem Nürnberger Friedhof haben wir neulich einen algerischen. Soldaten beigesetzt, der gefangen genommen und in einem Lazarett unserer Stadt seinen Verwundungen erlegen war. Er war, wie meist die Algerier, ein Abkömmling der maurischen Juden, während die in Frankreich selber wohnenden Glaubensgenossen fast sämtlich aus dem Elsaß dort eingewandert, also gleichfalls deutschen Ursprungs sind. Gerade darum sind sie aber wie alle einstigen Elsässer umso eifrigere Franzosen. Und es kommt noch hinzu, daß für sie Deutschland die Geburtsstätte des modernen Antisemitisnrus ist, und daß ihnen das Aufflackern des antisemitischen Geistes in der Republik, das uns aus der Dreyfus-Affäre noch zu gut im Gedächtnis ist, nichts anderes denn eine An-

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