Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Ar. Mar Frrudrnthal . Meligronsgeschichtliche Betrachtungen zum Kriege versittlichenden und veredelnden Vorschriften der Bibel eingestreut, die solchen wilden Gelüsten jeden Boden entziehen wollen, und deren Notwendigkeit das Verhalten unserer Feinde in diesem jetzigen Kriege uns ganz besonders eindringlich wieder erwiesen hat. Weiber, Kinder, Tiere der Feinde müssen geschont, selbst die Bäume, wenn sie Fruchtbäume sind, dürfen nicht geholzt und zu Belagerungszwecken verwendet werden. Keine Stadt darf hinterlistig überfallen, sondern muß erst zum Frieden aufgefordert werden. Gefangene Jungfrauen dürfen .'nicht vergewaltigt, sondern müssen rechtmäßig geehelicht werden. Die Gefallenen alsbald zu begraben, ist eine heilige Pflicht. In den Augen der heidnischen Völker, denen solche Gebote unbekannt waren, gelten darum die Könige Israels als gütige Fürsten, nicht als Tyrannen. Elisa der Prophet gebietet sogar dem König von Israel, einen ganzen Trupp Syrer, der in einen Hinterhalt gefallen -und gefangen worden war, zunächst mit Speise und Trank zu laben und ihm dann die Freiheit zu schenken. Abraham lehnt ab, von der Beute auch nur Faden oder Schuhriemen zu nehmen. David darf den Tempel nicht bauen, trotzdem er schon alles dazu vorbereitet hatte, denn seine Hände haben so viel Blut vergossen. Das sind Anschauungen, die sich im Volk allmählich durchsetzen; aus der großen Umwälzungsperiode der babylonischen Gefangenschaft kehren die Juden erfüllt von ihnen zurück. Die freiwilligen Kriege hören überhaupt auf. Es gibt nur noch anfgezwungene Verteidigungskämpfe. Die Ulakkabäer setzen sich zur Wehr gegen den syrischen Zwang zum Götzendienst. Gegen den furchtbaren Nömerdruck erhebt sich das ganze Volk wie ein Ulann und verrichtet Wunder der Tapferkeit. Dje Erstürmung von M a s a d a im Jahre 72 bildet den tragischen Abschluß dieser großen Nationalerhebung; die Verteidiger, die sich nicht mehr halten können, geben sich selber, ihren Frauen und Kindern den Tod, die stürmenden Römer finden von der ganzen Besatzung nur noch zwei Frauen und einige Kinder, die ihnen die verkohlten Neste der Melden zeigen. Die erhebenden Empfindungen, mit denen wir heute von den tapferen Taten unserer Soldaten zu Wasser und zu Land, im offenen und im Festungskampf vernehmen, treffen also auch bei uns Juden auf einen guten h istorische n Resonanzboden. Wir sind gegen denKrieg; aber wo er uns aufgezwungen wird von unseren Feinden als ein Verteidigungskampf für unsere nationale Ehre und noch! dazu wie jetzt für unsere hohe v a t e r l ä n d i s ch e sittl i ch e, >g e i st i g e u n d r e l i g i ö s e K u l t u r, wollen wir als Deutsche wie als Juden nicht zurückstehen und uns der eigenen Geschichte würdig als tap f e r e H e ld e n z e i g e n, w o l l e n a b e r zugleich der sittlichen und religiösen Erziehung treu bleiben, die wir der Bibel seit Jahrtausenden verdanken und sie a u ch i m Verhalten gegen unsere Feinde bewähren. Und d e s s e n s i n d w i r a l l e sicher: wie die Juden in der ganzen wolt, die jetzt ^>im Kriege liegt, treu und tapfer zu ihren Heimatländern steh en, so würde auch kein Jude in der ganzen Welt imstand e sein, eine jener Schandtaten ausz u f ü h r e n, mit denen unsere Gegner t n -CD ft und West in s o un m e n s ch - licher Weise sich oft genug an wehrlosen vergangen haben. Uns graut es vor solchen Dingen als Deutschen, als Gliedern einer Staatsgemeinschaft, die auch im Kriege auf ihrer Kulturhöhe unerschütterlich verharren will; uns erfüllen sie erst recht als Juden mit Abscheu und Entrüstung, weil wir schon seit Jahrtausenden