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Liberales Judentum · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 o o o o Henriette Fürth : Der Krieg und die jüdischen Fronen tig halten, daß uns das gütige Geschick so viel innere Hilfsquellen geistiger und gemütlicher Art gegeben hat, daß in vielen von uns so viel Selbstzucht und moralische Widerstandskraft steckt, die uns die Rraft geben, das Schwere zu tragen und auch in lichtlosen Tagen unsere Pflicht tun. So müssen wir denen zu Hilfe kommen, denen diese inneren Hilfsquellen nicht m gleichem Maße erschlossen sind. Licht nrüssen wir in ihre Seelen, Freude in ihre Herzen tragen. Das Schwere hat sie in Besitz, ganz und gar, und es kommt ungerufen zu uns allen. Da gilt es, ihm das Leichte und Lichte entgegenzusetzen, um es minder schwer, um es ertragbar für die zu machen, denen die inneren, seelischen Tragkräfte nur spärlich zugemessen sind. Unendliches opfern wir in diesen Tagen. Unendliches sollen und müssen diese Tage uns geben und vorbereiten an Rraft und Größe des Geistes, an Innigkeit, Lauterkeit, Schlichtheit und Tiefe des Empfindens, des Wollens, des Tuns. Daß, wenn eines hoffentlich nicht allzufernen Tages unsere Tapferen heimkehren, sie ein starkes, gesundes, tapferes und aufrechtes Geschlecht finden und die neue Frau, die in einem ganz neuen und schöneren Sinn zur Hüterin der Herdflamme unseres großen und schönen Vaterlandes geworden ist. Und ein letztes: Mit zu lieben, nicht mit zu hassen sind wir da. In diesen Tagen der alles verzehrenden Zwietracht der Völker wollen wir nicht vergessen, daß nicht die Gesamtheit derer, die gegen uns stehen, nun auch unsere' Gegner sind. Sie tun ihre Pflicht, die heute die traurige Pflicht des Mordens ist. So wie auch unsre Söhne ihre Pflicht tun. Und auch sie alle sind die Söhne ' von Müttern. > Das wollen, das dürfen wir nicht vergessen. - Und nicht vergessen, was die Heroen des Geistes, die Befruchter des Gemütslebens von jenseits der Grenzen uns allezeit gegeben haben. Und daß wir ihnen Dank schuldig sind. Und nicht vergessen, daß gerade wir, wir Frauen aus der Güte des allverstehenden Mutterherzens heraus Güte und verstehen und Milde haben müssen für die, gegen die heute unsre Söhne im Felde stehen. Und daß wir helfen wollen, zerrissene Fäden neu zu knüpfen und ein Reich des Friedens zu gründen für alles was Menschenantlitz trägt. Und so wollen Md werden wir deutschen Frauen auch von dieser Seite her helfen, dem deutschen Gedanken und dem deutschen Gemüt. die Welt zu erobern und des Reiches Herrlichkeit herauf zu führen das ein Reich des Friedens sein soll. Im Sinne des Gedichtes, das eine echte deutsche wackre Frau in diesen Tagen uns gegeben hat: Wir, die wir Winzeln tief im Frieden Und neues Leben still gestalten, Die wir die Rasse auferbauen Aus eignem Herzblut und erhalten, — Bedroht ist unsrer Rasse Frieden —: Wir kämpfen mit, wir deutschen Frauen! Aus unsrer Lieb' und Treu', der zarten, Heiß lodern heil'ge Zornesflammen. Wir stehn daheim, wir deutschen Frauen, Zerrissnen Herzens stumm beisammen Und warten zitternd bang und warten . . . Wir kämpfen schwersten Kampf, wir Frauen! Wir kämpfen wider's eigne Herz, Verzweiflungsweh muß stille schweigen In allen unfern deutschen Gauen. Wir sind dein Vaterland zu eigen. In selbstvergessner Arbeit Erz Gewappnet, kämpfen mit wir Frauen! Gespenstgen Feinden tapfer wehren, Fest übers wilde Meer der Not Vom hohen Lerrchtturm strahlend schauen Wir, helfen, heilen, spenden Brot... Wir kränzen, die als Sieger kehren . . . Wir siegen mit, wir deutschen Frauen! Deutsches Frauenkriegslied. (Alice Dullo).

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