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Liberales Judentum · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. Seite 19

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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o o Q O Krnrirtte Firrth: Apv Krieg und die Mischen Frauen 19 Heldengröße hinzuweisen, die sich Tag um Tag da draußen auf den Schlachtfeldern entfalten. Und -wie dort neben dem Heldentum in tausend rührenden Zügen die Einfalt des Herzens redet und eine über alle Feindseligkeit hinwegtragende Güte und Liebe in schlichter Eindringlichkeit aufzeigt, daß trotz alledem und alledem nicht der Haß, sondern die Liebe, nicht der Ramxf und das Gegeneinander, sondern das Mit- und Füreinander das tragende Meltprinzip ist! wie unsere Landwehrleute die Rinder der Feinde herzen und kosen, nicht wie man uns glauben machen will,, mißhandeln und morden! lVie unsre Soldaten ihr Brot mit der hungernden Bevölkerung in Feindesland teilen! Und, daran anknüpfend, wollen wir ihnen die ganze Größe, aber auch die ganze Notwendigkeit der stillen Arbeit aufzeigen, die daheim getan wird, gm die Unbilden und Leiden des Rrieges nachRräften abzuwehren und zu lindern und ihnen all die Heldenhaftigkeit deuten, die geräuschlos und ungenannt auch hier ihres Amtes waltet. Und wollen unsre .Jugend der seelischen Vertiefung teilhaftig werden lassen, die uns allen aus diesen schweren Tagen zmvachsen soll, und ihnen mit dem Gefühl der Verantwortlichkeit für sich selbst und das Deutschtum auch die Fähigkeit zur verantwortung in die Seele legen, statt all der Nichtigkeiten und unwichtigen Lvichtigkeiten, nrit denen bis jetzt nur allzuoft unsre Rinder, besonders aber unsere jungen Mädchen gefüttert und von denen sie ausgefüllt wurden. Gerade all das . schlichte Heldentum, rpitz es draußen und wie es daheim sich kundgibt, all der Mpfernmt und die Gpferfreude, die selbstlose, rast- und restlose Hingabe an das große. Ganze bis hinein in seine allerletzten Verzweigungen: all das wollen wir vor die Seele unserer Rinder stellen und wollen sie mit alledem in Liebe und in Treue davor schützen, daß nicht Unwiederbringliches in ihnen zerstört und vernichtet werde. Und wollen sorgen, daß . sie ein reines Menschentum hinüberretten können in eine reinere Zeit. lvie an ihnen wollen und müssen wir aber auch an uns arbeiten. Die Rriegszeit hat dafür die rechte Bereitschaft geschaffen. Als ein reinigendes Gewitter ist sie durch unsre Seelen gezogen und hat alles Rleinliche, alles Gezierte, alle eitle Selbstbospiegelung und alle Ivichtigmacherei von uns abgetan. Ivohin ist das öde Aesthetentum gekommen? Ivo sind die Part pour Part Menschen geblieben? Die Anbeter und Anbeterinnen eines sogenannten verfeinerten Geschmackes, einer Hyperkultur? Ivo die Ueberfeinerung aller Lebensgewohnheiten und die Ueberempsindlichkeit? Die Sucht aufzufallen, die Jagd nach Sentiments und nach Sensationen? Hinweggefegt ist das alles, als wäre es nie gewesen. Ivir wurden klarer, ernster, tiefer in diesen tiefen und ernsten Tagen. Das gilt es zu festigen. Das gilt es, über den großen Tag, über den machtvollen Augenblick hinüberzuretten in das Gleichmaß künftigen Alltags. Die Errungenschaft der Stunde muß zum Dauerbesitz gemacht werden. Lvas die Herzen evhoben und erwärmt hat, das muß und soll als eine Däuerglut die Seelen läuternd durchströmen. Das muß nicht bedeuten, daß wir uns nun .für Zeit und Ewigkeit von allen fremden Rulturen abwenden, uns den Strömen von Runst und Wissenschaft verschließen müßten, die von außen zu uns heranfluten. So. wenig wie es angängig sein wird, daß wir unfern geistigen und

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