Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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18 Henriette Fürth : Der Krieg und dir jüdischen Frauen sein und wahr und treu und warm und liebevoll. Und voll Mut und Zuversicht. Und wenn der Jammer, den wir tief in uns tragen, uns übermannen will, dann wollen wir uns ausweinen, dann und da, wo uns niemand sieht und wir niemandem das damit schwer machen. wir Frauen, wir deutschen Frauen wollen alleweg uns der großen Zeit wert zeigen, in der wir leben, Helfen wollen wir, sie noch größer zu machen und helfen wollen wir sie ihrer Furchtbarkeit zu entkleiden. Und in den aufgelockerten Boden dieser Zeit wollen wir das Saatkorn künftiger Ernten betten, das einen, kommenden Geschlecht aufgehen und reifen mag zu köstlicher Frucht. wie das für den Augenblick zu tun ist, wie der dringenden Not der Stunde gesteuert werden kann, das wissen wir alle und daran arbeiten wir alle. Aber über die Not der Stunde hinaus weist die Forderung der Zukunft. So vieles hat dieser entsetzliche Krieg an Kultur- und Gemütswerten vernichtet. Line Welt ging in Scherben. Und selbst wenn wir siegen: der Sieg allein kann das, was hier zerstört wurde, nicht wieder aufbauen. Zahlen,näßig baut ein Volk sich gar rasch wieder auf. Das haben die 70er Zehren mit' ihren hohen Geburtenziffern gezeigt. Aber die Zahl allein tut's nicht. Wäre noch ein Zweifel gewesen: dieser Krieg hätte dargetan, daß nicht die (Quantität sondern die (Qualität das sieghaft Entscheidende ist. So bedürfen wir für den Wiederaufbau dieses Entscheidenden . der treuen und sorglichen Innenarbeit cm uns und den unsrigen. Einer Arbeit, die das Morgen, den Sieg, das Nachher nicht äbwärten darf, sondern die unmittelbar — heute schon einsetzen muß. Denken wir an unsere Jugend, welche Eindrücke empfängt die heute! Die sogenannten ewigen Wahrheiten, die Grundpfeiler und .Grundforderungen allgemein menschlicher Sittlichkeit und Gesittung, die für die Ewigkeit errichtet und gefestet schienen, liegen zertrü,nmert am Boden. Der Mord wird verherrlicht, der Untergang der Feinde, die Zerstörung ihrer Schiffe mit Jauchzen und Frohlocken begrüßt, wie anders da,nals, als die Eitanic von einer schrecklichen Katastrophe ereilt wurde. Das Völkerrecht wird mit Füßen getreten, die Vereinbarungen der Genfer Konvention mißachtet. Die Lüge und Verleumdung erheben ihr freches Haupt, Niedertracht nnd Hinterlist fällen den Feind aus de,n Hinterhalt. Lin Ehaos, in dein keiner aus noch ein weiß, ist an Stelle der sittlichen Ordnung getreten. Wir Erwachsenen kennen die zwingenden Untergründe dieser grausigen Umwertung aller Werte. Sorgen wir, daß unsre Kinder aus unserem wissen und vor allem aus unseren. Fühlen so gespeist werden, daß sie nicht unwiederbringlichen Schaden an Leib und Seele nehmen. wir dürfen nicht müde werden, ihnen zu erklären, daß und waruin wir nach wie vor den Krieg verabscheuen, daß und warum wir aber trotzdem dies Ningen gutheißen, das man uns aufzwang nnd daß und warum wir bereit sind, nicht nur unsre überkommenen und als wahr und gut erkannten Vorstellungen und Forderungen wahrer Sittlichkeit nnd Menschenwürde, sondern uns selbst ,nit Hab und Gut, mit Leib und Seele und bis zum letzten Blutstropfen zum Opfer bringen, damit der Sieg uns bleibe und mit diesen, endlichen Sieg ein Friede heraufziehe, in dem Deutschland allen — den Freunden und den Feinden — die Segnungen nienschwerter Kultur und Gesittung bringe und erschließe. Und nicht müde werden dürfen wir, unsre Kinder auf den Heldenmut nnd die