Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17 Henriette Fürth: Arr Krieg und dir jüdischen Frauen land, als dessen Bürgerinnen wir uns nie stolzer, nie rückhaltloser und unbedingter empfunden haben, als in den glorreichen Tagen des bleute, in ganz besonderer Weise zu dienen. Gewiß, es gibt auch unter uns Taue und Gleichgültige, Oberflächliche und Litte und Selbstsüchtige, Auch unter uns gibt es Frauen, die mit Stöckelschuhen, auffallenden Gewändern und auffallendem Schmuck einhergehen, die nichts von den Äußerlichkeiten, und man könnte in manchen Fällen sagen: Albernheiten und egoistischen - Gewohnheiten ihres Lebens aufgegeben haben. Traurig, daß es solche Frauen gibt. Aber es gibt sie überall, und sie sind keine Sondererscheinungen des Judentums. Das sind die Unverbesserlichen, die unabhängig vom Bekenntnis überall zu finden sind. Die Teeren, Gehaltlosen, die Weibchen, von denen Taura Marholm vor Jahren sagte: Das Weib sei eine Kapsel über einer Teere, die erst der Mann füllen müsse. Ja, die kommen unter den jüdischen Frauen ebenso vor,; wie sie anderwärts zu finden sind. Aber die Mehrzahl oder nur eine einigermaßen beträchtliche Zahl sind sie nicht. Der gewaltige Sturmwind dieser Tage hat .auch in den Reihen der jüdischen Frauen die Spreu vom Weizen gesondert. Don mancher Frau, die früher den schönen Oberflächlichkeiten und Nichtigkeiten des Tages, den ästhetischen Randleisten des Lebens eine übergroße Wichtigkeit beigemessen hatte, ist all das abgefallen, als wäre es nie gewesen. So viel stille Größe, wortarnre und doch so tiefinnige , Eingabe habe ich in diesen Tagen an dem jüdischen Frauentum kennen gelernt. Und nun komme ich und will doch noch einmal mahnen.? Za, das will ich, aber indem ich das tue, verlasse ich den, engeren Kreis der Konfessionen und x.ede von uns nicht als Jüdinnen, sondern als deutschen Frauen. Einmütig und ohne Zandern und Zagen (— das sei noch einmal gesagt —) hat das deutsche Frauentum sich auf den Boden des Vaterlandes gestellt. Wir haben unsere Söhne, unsere Gatten dahingegeben. Nicht leichten Herzens, sondern im vollen Bewußtsein der schrecklichen Gefahr, unter dem vollen Gewicht der furchtbaren Verantwortung. Aber auch in der Erkenntnis, daß unser Volk dazu bestimmt ist, der Bannerträger einer menschwerten Kultur für die ganze Welt zu sein. Liner Kultur, die von Krieg und Grausamkeit nichts weiß, noch wissen darf. Aber bis dahin! Aber die Opfer, die schon gefallen sind und noch fallen werden! Aber all der Jammer und all das Leid! Und wir! Wir sind Frauen und wir sind Mütter. Wie sollen^ wie können wir all dies Furchtbare ertragen, ohne darunter zusammenzubrechen? Wie können wir aufrecht bleibe,: 'und aufrecht erhalten? Aufrecht erhalten das Banner der Liebe in einer Welt von Haß? Aufrecht erhalten die Treue in einer Welt der Untreue? die Wahrhaftigkeit in einer Welt'der Lüge? Aufrecht erhalten den Mut, während die Gingst und die. Sorge uns umkrallt? Aufrecht erhalten die Zuversicht, während wir verzweifelnd erbangen, nicht um unserer Sache willen, denn an die und an ihren endlichen Sieg glauben wir unverbrüchlich, sondern um der Teuren willen, die draußen im Feld in den Opfertod ziehen. Dennoch müssen wir aufrecht bleiben. Ls ist die große Mission der mündig gewordenen Frauen aufrecht zu bleiben und aufrecht zu erhalten. Stark müssen wir