Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3126481-3126538-3126540--1904-3128735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
16 Henriette Fürth: Arr Krieg und dir jüdischen Frauen Mir ist schon manchmal der Gedanke gekommen, ob nicht aus diesem uns selbst in der Hauptsache nicht ,zu deutlichem Bewußtsein kommenden Untergrund der Uebereinstimmung des Fuhlens und des Sonderleidens mit dem der Allgemeinheit ein Teil der starken Sympathie und der restlosen Gingabe erfließt, die gerade das Judentum in diesen glorreichen Tagen beweist. Gerade das Judentum. Line unverhältnismäßig große Zahl von jüdischen Soldaten darf mit Stolz das Eiserne Kreuz tragen. Mannigfache Auszeichnungen anderer Art sind vielen zuteil geworden. Und einem Iiuden war es Vorbehalten das bis jetzt in diesem Urieg Größte zu tun: das Opfer des Lebens nrit der fast sicheren Gewißheit des Unterganges zu bringen. (f}arts Heinemann). Und daheim? Und wir jüdischen Frauen? Ich sage es mit Stolz und Genugtuung: Die jüdischen Frauen haben sich in diesen Tagen glänzend bewährt. Ueberall ist ihre selbstlose und ihre ausdauernde Hingabe zu verzeichnen. So viele von den Frauen und Mädchen, die im ersten Rausch der Begeisterung ihre Dienste zur Verfügung stellten, sind rasch müde geworden. Andere Elemente haben die Sonnenstellen aufgesucht. Die Kosten auf denen man gesehen wird. Die Mehrzahl der jüdischen Frauen und Mädchen aber ist treu geblieben. Treu auch dem bescheidenen Werk. Treu auch der schlichten Arbeit, von der nicht geredet wird. Treu der mühevollen und undankbaren Arbeit, mit einem Worte: treu der selbstgewählten Pflicht, wie immer sie sich auch gestalten mochte. wenn ich meinem Aufsatz den Titel gab: „Die jüdischen Frauen und der Krieg", so geschah das nicht und konnte es nicht geschehen im Sinne einer Aufnrunterung zur Pflichterfüllung. Dessen bedarf es nicht, wir sind alle mjt Leib und Seele dabei, und wir sind um so befriedigter, je mehr wir leisten können. Und wir wissen weiter, daß wir inehr leisten müssen als die andern. Das Kaiserwort des 4. August lautere: /,Ich kenne keine Parteien und keine Konfessionen, sondern nur Deutsche." wir wollen an die Verwirklichung dieses Kaiserwortes glauben, wir wollen darauf harren und hoffen wie auf die Ankunft des Messias. Aber wir wollen daneben nicht vergessen, daß auch ein noch so gut gemeintes Kaiserwort nicht all den offenen und poch weniger den gebundenen versteckten Antisemitismus beseitigen kann, der in so ^mannigfacher Spielart, unser deutsches Volkstum verunzierend, wuchert. So müssen wir diesen offenen und versteckten Antisemitismus durch die Tat bekämpfen. Heute nicht durch die Tat der Abwehr. Dazu ist die Zeit zu schwer und die Kraft zu kostbar. Sondern indem wir durchs jedes Wort und durch jede Handlung erweisen, daß auch wir unlöslich und selbstverständlich zu unserer deutschen Gemeinschaft gehören, kein fremder" Tropfen im Blute, sondern ein organischer Bestandteil des deutschen Volkes sind. Und wir müssen mehr tun: Ivir müssen erweisen, daß wir nicht nur eins sind im Denken und Fühlen, sondern daß wir Juden Edelmetall von ganz besonderer Art dem Schatz unseres physischen, psychischen und sittlichen Volksvermögens hinzuznfügen in der Lage sind. So sage ich noch einmal: da, wo die andern aufhören, da wo sie zu erlahmen beginnen, da wollen wir jüdischen Frauen erst recht anfangen zu leisten, uns hinzugeben, uns aufzuopfern. Das Blut der Makkabäer rollt auch' in unseren Adern. Zeigen wir uns dieses hohen Erbes wert. Nicht aus Ehrgeiz. Nicht um uns hervorzutun. Nur um dem geliebten Vater-