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Liberales Judentum · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. Seite 15

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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O 0 O 3 15 Henriette Fürth: Aer Krieg und die jüdischen Frauen Wir sind getrost! Wie auch, der Würfet fällt; Das Banner der Kultur in starker Hand, So wehren wir uns gegen eine Welt, So schirmen wir .auf uns allein gestellt, Bor'm Sturm der Feinde unser teures Land. Mit Eisenschritteu schreitet unsre Zeit. Wir geben ihr hie Richtung und den Laus. In Stub' und Kammern weinet herbes Leid, Des Trostes Balsam hatten wir bereit, Die Herrlichkeit des Reiches bau'n wir auf. Ein Reich des ew'geu Friedens soll es sein. Des Deutschtums Herrschaft deute nicht den Krieg, Die Liebe setzen wir als Gottheit ein. Und allen Völkern Segen und Gedeih'n, Bring unsres Vaterlands glorreicher Sieg. ist eine große ober auch schwere Aufgäbe, die denen da draußen, die aber erst recht den Daheimgebliebenen znerteilt ist. Zusammen tirit jener andern, nach allen Kräften die IVunden zu Heilert, die der Krieg dem Wirtschaftsleben der Hatten zugefügt, die Leiden zu lindern, die in seinem Gefolge einherziehen. Den Trostlosen Trost zu bringen, die Zagenden und Gebeugten aufzttrichten und stark zu bleiben bis an's hoftentlich glückliche Ettde. An dieser Aufgabe mitzuarbeiten sind vor alten anderen die Frauen berufen. Sie, die - die Trägerinnen und Pflegerinnen der Volkszukunft sind. Die Frauen, das dürfen wir ruhig sagert, haben sich m diesen Tagen glänzend bewährt. Mitte es -dessen noch bedurft: diese Kriegszeit bedeutete das Mündigwerden, aber auch die Mündigsprechung der Frauenbewegung. Zuerst nach der Kriegserklärung. Kein Bangen urrd Zweifeln. Keine Trärren, außer denen, die heimlich, geweint wurden. Wie Spartas Mütter entließen wir unsere Söhne, wie Spartas Frauett unsere Gatten itt den Dienst des Vaterlandes, wir klagten nicht — wir jammerten nicht — wir arbeiteten. Arbeiteten von der erstett Stunde an, arbeiten heute noch und werden weiter arbeiten, so lange es not tut und so lange unsre Kräfte reichen, das heißt aber, so lang noch Leben in uns ist. Beim roten Kreuz, in den Lazaretten, auf den Bahnhöfen, in der Familienhilfe der Kriegsfürsorge, in den Volksküchen, wie überhaupt itt der Volksernährung, im Dienste der Mütter- und Kinderfürsorge, in der Arbeitsbeschaffung utrd Vermittlung: überall arbeiten Frauen. Arbeiten als ein Heer des Friedetrs, das helfen will, die Schrecken des Krieges zu bannen, das int Dienste dieses Kampfes eine Hingabe entfaltet, die sich würdig jetrer im Felde anreiht. And die jüdischen -Frauen stellen in diesem gittert Kampf in den vordersten Neihen. Ich habe in diesen Tagen in meinem Sitm Deutschland so oft mit dem Judentum vergleichen müssen. Gegen eine Welt vott Feinden und Hassern, von Neidern und Mißgünstigen oder von Gleichgültigen, in deren lauem Zusehen und Abwarten tttehr als Feindschaft liegt, steht unser Land da. Und das, was sie hassen und neiden, ist die ernste und erfolgreiche Tüchtigkeit unseres Volkes, ist die unbequeme Tatsache, daß das Volk der Träumer, der Denker und Dichter sich in ein Volk der Tat verwandelt hat, das mut gekommen ist, auch seinett Platz an der Sonne zu beanspruchen. wieviel Aehnlichkeit mit dem Schicksal der Juden ist doch in alledem. Auch uns Juden neidet man den Erfolg unserer Tüchtigkeit. Auch uns feindet man an und verfolgt und isoliert man: nicht um unserer Abstammung, nicht um unseres Glaubens willen, sondertt weil unser Streben und unsre Tüchtigkeit den Erbgängern des trägen Beharrens unbequem ist. Unser Streben uitd unsre Tüchtigkeit, die ganz so wie das Deutschtum, nicht die andern knechten und unterdrücken, sondern sich nur selbst behaupten und dem Wohl der Allgemeinheit dienen will.

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