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Liberales Judentum · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. Seite 14

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Henriette Fürth: Aer Krieg und die jüdischen Frauen Oer Krieg unä die jüdifchen frauen. Von Henriette Sürth-frankfurt a. JTl. ie Kriegserklärung wgr gekommen, s wie ein Sturm ging es da in den ersten Augusttagen durch unser Volk. Lin Großes war aufgewacht: Das Vaterland! wir hatten es immer lieb gehabt und an ihm gehangen. Aber was es uns bedeutete, wie es wuchs weit über Irdisches hinaus, wie es zum Lin- und Alles wurde für uns alle, zur Tempelstätte und zum Vpferstein, an dem wir alles darbrachten, was uns sonst als das höchste erschienen war: Freunde, Familie, uns selbst: das hatten wir so nicht gewußt. Und eine Linmütigkeit war ausgewachsen. So groß, s'o bezwingend, wie wir sie in unfern kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt hatten. Dann kamen die großen Tage — hier endlich einmal ist dieses Beiwort an seinem rechten Platz — die miterlebt zu haben, das Größte in unserm Leben sein wird. Sie, deren Andenken wir in - all seiner Leuchtkraft und stillen herzbezwingenden Größe hinübertragen müssen von Generatton zu Generation. Als ein köstlichstes Lrbe. Als ein Zeugnis davon, wie groß ein Volk fein "kann. Als das stolze Bewußtsein, daß es unser Volk ist, das solche Größe gezeigt hat, von der Deutschamerikaner sagen, daß ihnen im Andenken an die hier durchlebten Tage der Mobilmachung noch heute die Tränen der Rührung in die Augen treten. Das „eivis romanus sum" war einst das. stolze Wort des Römers, wir Haben an feine Statt das „eivis Aermanus sum" gesetzt, und wir wollen und wir werden' dies Wort als stolzesten Ehrentitel über die Welt tragen. wie sie hinauszogen unsere Feldgrauen, die Blüte unseres Volkes. So voll ernster und stiller Entschlossenheit, so sehr des Ernstes der Lage und der Größe der Verantwortung bewußt, aber doch voll froher Zuversicht, ein LiÄ) auf den Lippen und ein Leuchten in den Augen. In den fänden, die sich uns da zum Abschiedsgruß entgegenstreckten, in den aufleuchtenden Augen stand: Seid getrost! wir werden siegen! Nicht nur, weil ein Volk wie das unsrige, schon um der Kulturmission willen, die es zu erfüllen hat, nicht untergehen kann, sondern weil wir siegen müssen. Sieg oder Untergang! So steht für unS die Sache. So und nicht anders. Das wissen wir dahejim, wie sie es draußen im Felde wissen. Und aus diesem wissen erwächst uns so Glaube wie Pflicht. Der Glaube an die Mission unseres Vaterlandes, die nicht darin besteht, die Völker mit harter Faust zu zwingen, sondern die da ist, das Licht der Kultur und der Gesittung, allüberall auszubreiten, die Standarte der Menschlichkeit und der Menschenliebe zu entfalten und sie den Völkern voraufzutragen in's Land des ewigen Friedens und der wahren Menschwerdung. Wir freuten uns an jeden: neuen Tag, Daß wir geschnitzt aus einen: edlen Holz Und kämpften gegen 9tot und Ungemach Und stillten jeden Seufzer jede Klag', Und nannten das Kultur und waren stolz. Nun liegt an: Boden, was. so herrlich war, Die Barbarei erhebt ein blutig Haupt, Vernichtung schüttelt wild ihr Schlangenhaar. Und aller Güte, allen Mitleids bar Sind ärmer wir, als wir es je geglaubt. Wir taten's nicht ans eigner, freier Wahl. Man zwang, uns auf den ungeheuren Streit. Nun türmen Opfer sich! ohn' Sinn und Zahl, Nun stöhnt zum Himmel namenlose Qual, Die Menschheit bebt in Weh und wildem Leid.

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