Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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O o a t> Aus Feldpostbriefen jüdischer Soldaten 11 II. Miserere. Zieht ganz langsam ein Menschenhauf Zerlumpt Md schwankend die Dorfgasse raus, Die Augen trübe und tränennaß, Die Leiber mager, die Mangen blaß: Franzosen! Frauen und Kinder und Greise, . Sie beden kein Wort, manche schluchzen nur leise, UM voran schreitet, die Waffe im Arm, Grimmig ein deutscher Feldgendarm. Zch rede eine der Frauen an. Sie kornmen sechs Stunden weit her, von Servan. Drei Wochen waren sie eingeschlossen, Drei Wochen Wurde ihr Dorf beschossen. £kms um Lsaus ist niedergebrochen, Da haben sie sich in die Keller verkrochen; Und jüber ihnen stürzt es zusammen, Zhr 'jöaus und ihr Sab, ihre Seimat in Flamnren. Sie kauern int Dunkel, von allen vergessen, Ghtre Licht und Luft, fast ohne zu essen. Die einzige Nahrung, die sie haben, Brot, das deutsche Soldaten aus Mitleid gaben. So gingen drei Wochen, Mn treibt man sie fort, Lin lästiger Schub, ein Gesindeltrasxort. wo sie Unterkommen, mögen sie sehen, Können ja irgendwo betteln gehen. — — — So erzählte die Frau; und dann unter weinen: „Sehn Sie hier, mein bserr, diesen armen Kleinen, „Vater Und Mutter tot mit fünf deutschen Soldaten „Von unsern eignen französischen Granaten! „warrnn das alles, mein ^err?"— — Zä warum? Zch Blicke zum Simmel, der Simmel bleibt stumm. III. M o r g e n i d v l l. Am Waldrand auf dein Wiesenrain Schläft einsam eine alte Mühle. Noch drang kein Sonnenstrahl hinein, Noch witterts Nebelmorgenkühle. Ls schleiert weißlich hinterm Wald, Der Morgentau perlt an den Halmen, Die Farben 'sind noch tot und kalt. Noch singt kein Vogel Morgenpsalmen. Da lenk ich meine Schritte leis, Daß ich den Frieden rings nicht wecke, Lsin, wo ich eine Quelle weiß Verborgen unter grüner Hecke. Still bade ich im Dämmerlicht Die steifen, nachtzermürbten Glieder, Und für mein Tagewerk erfrischt Schleich ich mich sacht von dannen wieder.! Da kommt die Sonne fahl heraus j Blickt durch der Mühle tote Scheiben, j Blickt in ein öd geplündert Saus —: | Nachtfrieden wich dem Kriegestreiben! .; Soldatenleben frisch und hell, j Der Kaffeekessel surrt am Herde,! Und in den trübgewordnen Quell j Tränkt ein Ulan die durstgen Pferde. Kriegsfreiwilliger Erwin Seligmann.