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Liberales Judentum · 1914-12-01 · Heft 12 (Dezember 1914) · p. Seite 233

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 12 (Dezember 1914)
Date
1914-12-01
Page
Seite 233 (sequence 13)
Language
German
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0 o o o Nr. Norden: Zürn fünfzigjährigen Srstehen des deutfchrn Noten Kreuzes 233 neu?) Im Kriegslager soll Sitte und Anstand herrschen, nichts Unwürdiges soll da vorgcben, keine Schamlosigkeit soll einreißen?) Da der Krieg dazu angetan ist, die Sitten zu verrohen, stellt Mose die große und schwierige Forderung auf: wehojo machanecho kodosch. „Dein Kriegslager soll heilig sein."o) von diesen mosaischen B e sti m m u n g e n können wir' gar nicht hoch genug denken. Und doch hat M o s e hier eine Lücke gelassen: Die Kriegsbestimmungen enthalten merkwürdigerweise kein Wort über die Fürsorge für die im Kampfe Verwundeten. Ueber diesen so sehr wichtigen j?unkt hat Ulose nichts verordnet; auch spätere Zeiten Haben die Lücke nicht ausgesüllt. Ueberhaupt ist man erst im vergangenen Jahrhundert dem Gedanken einer geordneten, planmäßigen Fürsorge für die auf den Schlachtfeldern verwundeten Krieger nähergetreten. Und der Gedanke ist nicht aus jüdischen Kreisen hervorgegangen; das sagt uns schon der Name der heute weitverzweigten Einrichtung. Das hat uns Juden aber niemals gehindert, den hohen Wert >der Einrichtung anzuerkennen, sie mit Rat und Tat zu unterstützen und sie dadurch auch zu u n s e r e r Sache zu machen. Die Förderung der Bestrebungen des „Roten Kreuze s" ist in der Tat Ehrenpflicht eines jeden gutgesinnten Menschen. Hier 4) daselbst, V. 19. 5) 5. Buch Mose, Kap. 23, V. 10 ff. 6» daselbst. V. 15. tritt das Religionsbekenntnis völlig zurück hinter das allgemein Menschliche. Aber die segensreiche Einrichtung einer Fürsorge für verwundete Krieger, wäre sie denn nötig, wenn nicht der Fluch des Krieges fortwährend gleich einem Damoklesschwert über unfern Häuptern schwebte? Wäre es da nicht besser, wenn der Fluch des Krieges von der Erde verschwände? Dann brauchten wir nicht den Segen jener Entrichtung, die die Wunden wieder heilen will, welche der Krieg geschlagen. Nun, darüber kann ja nur eine Meinung herrschen. Wohluns,wohlde r ganzen Menschheit, wenn der Krieg erst erkannt seit: wird als das, was er ist, als das schwerste aller Verbrechen gegen Gesittung und Kultur. Noch aber sind wir nicht so weit vorgeschritten, noch Haben wir Jahr für Jahr mit der Möglichkeit eines Krieges zu rechnen. Und so lange die'Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, so lange wird es für uns eine heilige j)f lischt der Menschlichkeit bleib?en, diejenigen Einrichtungen z rl stützen ,und zu stärken, die den verwundeten Kämpfern und ihren Leiden gewidmet sind. Unser sehnliches Hoffen und Wünschen aber geht dahin, daß diese Einrichtungen nicht nötig haben mögen, .in Kraft zu treten. Möge an unserem Lande in Erfüllung gehen, was einst König David seiner Hauptstadt Jerusalem zugerufen: „Friede sei in deinen Mauern, Wohlergehen in deinen Wohnungen!"

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