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Liberales Judentum · 1914-12-01 · Heft 12 (Dezember 1914) · p. Seite 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 12 (Dezember 1914)
Date
1914-12-01
Page
Seite 234 (sequence 14)
Language
German
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234 Erdicht: „Gott mit uns" — Küchrrfchau Gott mit uns! Wir beten still auf freiem Felde, . XDo kein Altar die Andacht krönt, — XDir beten in den Schützengräben, Wo kein Thoral uns mild umtönt, — Wir beten ernst im Schlachtgetümmel, Wo uns kein Priester hat gefirmt — wir alle blicken auf zum Fimmel, Zu einem Gott, der uns beschirmt. Ihr alle, die daheim in Sorgen Demselben Gott Euch anvertraut, — Ihr alle, die Ihr heut' wie morgen, Auf dieses Gottes Hilfe baut, — Ihr alle, denen wir uns weihen, In Kampf und Sturm, Gefahr und Tod,. Derselbe Gott schützt Eure Reihen, Derselbe Gott schützt Eure Not. Laßt unser Denken sich vereinen: Treu deutsch und Gott ergeben sein! Der alte Gott ist bei den Seinen, Derselbe Gott wird mit uns sein. November fjemry Hoffstaedt, Berlin. Büdierfchau. Brnos Frvy, Die Juden in IDorms. Gin Vortrag. Berlin 19^4. M. Poppelauer. 8". 20 Seiten. Mit einem Bildnis. Die Geschichte der Stadt Worms und ihrer Iudengemeinde weist mancherlei gleiche Züge auf; wie die Stadt zu den ältesten Städten Deutschlands gehörtso ist die dortige jüdische Gemeinde eine der ältesten auf deutschem Boden. Und wie U)orms den Mittelpunkt der deutschen Nibelüngensage bildet, so ist auch die jüdische Gemeinde in Worms umwoben von einem Kranze der schönsten jüdischen Sagen, von denen manche in jüdischen Kreisen eine Volkstümlichkeit erlangt haben, die in gewisser Beziehung an die der Nihelungensage heranreicht. Dazu kommt noch, daß die Wormser Gemeinde reich an jüdischen Altertümern ist, an Baudenkmälern, die als beredte Zeugen eine!r großen Vergangenheit in die Gegenwart hineinragen — die Wormser Svnagoge ist die älteste in ganz Deutschland —, an Kultusgegenständen, den Erzeugnissen mittelalterlicher religiöser Kunst, an Urkunden, in denen Kaiser, Bischof und Rat den Juden ihre Rechte und Freiheiten verbürgten, aber auch schwere Steuern und Abgaben auferlegten, endlich an Grabdenkmälern, welche das Andenken jüdischer Geistesheroen der Nachwelt zu überliefern bestimmt sind. In Worms steht der deutsche Jude, wie sich der Wormser Oberbürgermeister am % Juni dieses Jahres anläßlich des Empfanges der Teilnehmer an der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums im Wormser Rathause mit Recht ausdrückte, auf klassischem Boden. „Auf dem Boden von Worms haben sich so viele, für die Juden bedeutsame geschichtliche Ereignisse abgespielt, daß diese uns ein Bild der Geschichte der Inden in Deutschland im kleinen darbieten." Gier haben unsere Vorfahren in der Schrift geforscht und das Talmudstudium in Deutschland heimisch gemacht, von hier sind eine Reihe für das kulturelle und religiöse Leben der Juden bedeutsamer rabbinischer Entscheidungen ergangen, hier Haben die Juden die Greuel der Kreuzzüge und des schwarzen Todes, sowie mancherlei andere Verfolgungen erlebt, für ihren Glauben gelitten und die Treue zu ihm mit ihrem Blute besiegelt. Hier aber auch haben die Juden zuerst festen Fuß auf Deutschlands Boden gefaßt, deutsche Sitte und Kultur und deutsche Namen angenommen, hier zuerst, unter dem Schutze und der Autorität der weltlichen Macht sich eine Gemeindeorganisation geschaffen. So bietet die Geschichte der Wormser Juden dem Geschichtsforscher ein reiches Feld der

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