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Liberales Judentum · 1914-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1914) · p. Seite 217

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1914)
Date
1914-10-01
Page
Seite 217 (sequence 21)
Language
German
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o o 0 o Ar. Csblenx: Arn Gefallenen 217 gesehen haben" wollte, wie er seinem Parteifreund Dr. Südekum auf dessen Einwendungen gegen seinen Entschluß mitzuziehen erwiderte. Rein Zweifel: dieser Mann der Tat glaubte an sein gutes Glück, das ihn bis hierher in ständigem Aufstieg emporgetragen hatte. So stürzte er sich in des Krieges aufgesperrten Rachen, ohne jemand zu fragen^ auch lohne die heißgeliebten Eltern zu benachrichtigen, die seinen Entschluß aus der Zeitung erfuhren. Ihre Bitten sollten ihn nicht weich machen. . . Und nun ist er viel weiter gereist als bis Amerika — in das Land, von dem kein Schiff ihn zu uns zurücktragen wird. Unzählige trauern bitter und nachhaltig um ihn als um eine der besten Hoffnungen unseres Landes und um einen, der unserm Bekenntnisse zu neuer Ehrung verhelfen hätte — trauern um den nie versagenden edlen Freund, um den Sohn, den Bruder. . . Nur die Besten, die Seltensten werden mit solcher Verzweiflung beweint wie er. Und in diesem Gedanken liegt der Trost eines der schönsten Schillerworte: „Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich, Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab." Den Letallenen. Von Rabbiner vr. (obIen?-6ielefeIä. Vater, ich Preise dich! 's ist ja kein Kamps sür die Güter der Erde; das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte: drum fallend und siegend preist ich dich. Gott, dir ergeb ich mich. Körner. as ist das Schwerste/ das der Krieg uns auferlegt: manch junges Blut muß draußen sein Leben lassen, und manche stolze Hoffnung sinkt vorzeitig dahin. Das Alter trauert um die Zugend. Habt ihr schon einmal einen jungen Menschen sterben sehen? Manchmal, besonders nach langem, schwerem Siechtum, ist es ein sanftes Hinüberschlummern — der müde Körper fand seine Ruh'—, manchmal aber ist es auch ein qualvolles Ringen: die junge Lebenskraft bäumt sich auf gegen den Tod, der sie mit eisernen Klammern umschlossen hält; sie will sich noch nicht von ihm brechen lassen. Doch ob .so oder so, niederschmetternd bleibt der Anblick eines sterbenden jungen Menschen immer, und nur ein Gefühl löst er in unserer Seele ans, schmerzliches Bewegtsein: warum so früh? Und dennoch! Welch ein Unterschied zwischen dem Hinscheiden eines jungen Menschen daheim in der Krankenstube und dem Sterben eines jungen Melden draußen auf dem Schlachtfeld! Das Hinscheiden in der Krankenstube: Schmerz und Bitterkeit, Schmerz für den Scheidenden, und Bitterkeit für die, die Zurückbleiben müssen; das Sterben auf dem Schlachtfeld aber ein Sterben in Größe und ohne Furcht. Seht ihr nicht die Tausende von Kämpfern, die draußen mit -dem Feinde ringen? Nur ein Gedanke lebt in ihnen allen: wir müssen den Feind zu Boden werfen. -Was schert sie Mühsal und Gefahr! Was kümmert sie Tod und Verderben! Es ist, als ob die ganze Welt hinter ihnen versunken wäre, und nur das eine Ziel glüht leuchtend vor ihren Augen, und nur der eine Gedanke zuckt flammend durch ihre Seele: vorwärts durch Kampf zum Sieg! So stürmen sie dahin ohne galten und Rasten. Es ist ein Drängen und Treiben in heiligem Zorn. Gier gibt es kein Weichen und kein Zurück: für das Vaterland müssen wir siegen! Ktt die Tau-

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