Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- Seite 214 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Lesnrr Mryerhsf: Ludwig Frank o o o o tuäwig krank. Von beonie Me^erkof. 5 ist das Zeichen einer starken und reichen Natur, mit sich selber verschwenderisch zu sein, nicht mit sich zu markten, nicht sich für etwas vermeintlich Besseres aufzubewahren, sondern sich ganz und ungeteilt der als groß erkannten Stunde auszuliefern. Wie oft ist uns Zuden feiges Zögern und abwägendes Ueberlegen zum Vorwurf gemacht worden, da, wo frisches, mutiges Linsetzen der ganzen Persönlichkeit gefordert wird! Aber falls ein Funke gerechter Erkenntnis aus dem Brande dieses Krieges in den Seelen unserer christlichen Brüder zurückbleibt, muß nunmehr dieser Vorwurf für immer verstummen. Unter den Besten der deutschen Juden, die bei Kriegesausbruch sich freiwillig zu den Fahnen drängten, war der deutsche Reichstagsabgeordnete, badische Landtagsabgeordnete und Mannheimer Stadtverordnete Dr. Ludwig Frank. Am 3^. August ist der ^Ojährige mit dem Ersatzbataillon des UO. Regimentes unter den stürmischen Anhänglichkeitsbeweisen der Mannheimer Bevölkerung ins Feld gerückt. Eine Nacht Dorf- Quartier in den Vogesen, eine Nacht Biwak — und.am 3. September ging die Sonne des Tages seines ersten Gefechtes und seines Todes auf. Den vorauseilenden hochgewachsenen Flügelmann traf die tödliche Kugel in die linke Schläfe des mächtigen, großzügigen Kopfes. Ludwig Frank war der geborene Volksmann. Einer der wenigen politischen Köpfe Deutschlands, wirkte er durch seine hohe, eindrucksvolle Erscheinung mit der geistvollen Stirn und dem wolkigen schwarzen Kraushaar, seine tönende Stimme, seine rasche, witz- und humorvolle Geistesgegenwart auf seine fjörer. was ihn aber mehr noch vor Vielen auszeichnete, war die wohlwollende, überzeugte Geradheit seines Wesens und die ungewöhnliche Wärme der Empfindung, die aus den großen, lebendigen Augen sprach, und die Zeder, der in irgend einer Weise mit ihm zu tun hatte, bald wohltuend verspürte. Die gleiche großgeartete Verschwendung einer im höchsten Sinne gütigen Natur, mit der Frank sich als gemeiner Soldat in die ersten Rechen-der Kriegsfreiwilligen stellte, zeichnete ihn in all seinem Tun aus. Als Politiker, wie als Rechtsanwalt trat er für die Entrechteten ein; sein Gut gab er mit rascher, heimlicher Hand den Bedürftigen hin, so reichlich, als hätte er niemals enge Verhältnisse, nie die Mühe des Erwerbs gekannt. Es kränkte ihn nicht, ausgebeutet zu werden — er empfand das gleichsam als etwas Selbstverständliches aus dem unbekümmerten und unerschöpflichen Reichtum eines tüchtigen Wesens heraus. Frank hatte das Glück, auf dem Lande geboren zu sein, wo die frühen Eindrücke Zeit haben sich zu vertiefen. Zn dem badischen Grte Nonnenweier bei Lahr ist er in einem schlichten frommen Llternhause ausgewachsen: ein liebevolles, gehorsames Kind trotz seines sprühenden Temperamentes, eisernen Willens und leidenschaftlichen Lerneifers. Sein Vater erzählt, daß er sich bereits als vierjähriger mit den um zwei Zahre älteren Spielkameraden unabweisbar zur Schulbank drängte und, obwohl der Lehrer sich zunächst garnicht mit ihm beschäftigte, die großen Mitschüler bald überflügelte, so daß er mit sechs Zähren vollkommen Deutsch und hebräisch las. Zm Alter von acht Zähren unterrichtete er bereits andere Kinder, von denen er die großartige Bezahlung von — fünf Pfennigen pro Woche beanspruchte . . . Und trotz seiner Geringfügigkeit muß dieser „materielle"' Erfolg doch das Bewußtsein seiner Tüchtigkeit in ihm geweckt und seiner Phantasie die Mög-