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Liberales Judentum · 1914-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1914) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1914)
Date
1914-10-01
Page
Seite 204 (sequence 8)
Language
German
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204 Krof. Ar. Frrrdland: Aer Krirg ««L unser Mesftasglanbrn bayerischen Rabbiner. Geheimer Justizrat Vollhardt brachte "tief ergriffen im Namen der Anwaltskammer dem langjährigen Vorsitzenden den Scheidegruß, Oberbürgermeister Dr. Feßler die wärme Anerkennung der Schillerstiftung, Hofrat Dr. Goldschimidt in feinsinnigen Worten den Dank des Vereins für Ferienkolonien. Im gemeindlichen Ehrengrab fand Gustav Josephthal alsdann seine ewige Ruhe. Er ruhe in Frieden! Der Krieg unä unter HMfiasglauben.*' Von Direktor Profeffor Dr. friedland-Seefen. raußen an der West-, Nord- und Gstgrenze unseres Vaterlandes erschallt in dieser Stunde der eherne Ruf der Schlachttrompete. Er sammelt unsere todesmutigen Krieger zum Kampf, zur Vernichtung des herandrängenden Feindes. Von hüben, und drüben speien die Feuerschlünde der Mordwerkzeuge, der sinnreichsten, die je erfunden wurden, Tod und Verderben. Sie zerstören die Felder des Landwirts, das Gut des Kaufmanns, zerstören die Wohnungen der Menschen, machen alte Kulturstätten dem Erdboden gleich, vernichten Tausende und Abertausende von blühenden Menschenleben. Die Furie des Krieges rast wie noch nie und schont weder den Greis, noch die Frau, noch das Kind. Ein wütender Vernichtungskampf ist unter den Menschen entbrannt, gräßlicher als unter Raubtieren. Dies alles spielt sich vor unseren eigenen Augen ab. Und an diesem Kampfe nehmen auch die Söhne Israels teil. Die Not des Vaterlandes hat auch ihnen die Mordwaffe in die Sand gedrückt, auch sie lauern auf den Menschen, der wie ein schädliches wild in unsere fruchtbaren Gefilde eingebrochen war. Auch sie zielen voll Haß und Wut auf das Herz des Feindes, auch sie bohren grausam und ohne Zagen ihr Bajonett in lebende Menschenleiber. Und sagen wir es frei *) Der nachfolgende Aufsatz ist eine Ansprache, die der Verfasser am Losoü haschonoh im „Tempel" der Jacobsonschule zu Seesen a. H. gehalten hat. heraus, wir hier, die wir fern von dem Schlachtengetümmel sind, wie sind wir doch verwandelt! In unserer Brust lodert der Haß und die Rache — ein gerechter Haß, ein heiliger Zorn. Aber es ist Haß, es ist Verwünsch nach Vernichtung des Nächsten, den wir doch lieben sollen wie uns selbst. Und in dieser Gemütsverfassung, in der wir alle uns befinden, ertönt heute in den jüdischen Gotteshäusern, vielleicht auch da uüd dort in einem stillen Winkel des Schlachtfeldes, wenn gerade die gehetzten Streiterkurze Zeit ruhig aufatmen können, der alte Ruf, der Israel zur inneren Sammlung, zur Versöhnung, zum Frieden mahnt. während die Menschen sich draußen wie die wilden Tiere gegenseitig zerfleischen, beten wir in unseren Gotteshäusern, beten unsere Brüder im Feindesland: „So verbreite denn, Ewiger, unser Gott, die Ehrfurcht vor Dir über alles, was Du erschaffen, daß Dir huldigen alle Geschöpfe, daß sie alle in einen Bund zusammentreten, um gemeinschaftlich Deinen willen mit ganzem Herzen zu erfüllen." wir bewundern unsere Kämpfer, daß sie voll Mut ihre Brust den feindlichen Kugeln entgegenstellen; wir bewundern sie und sind stolz auf sie. Aber es gibt noch einen anderen Mut, nicht so erschütternd groß wie dieser, aber dennoch bewunderungswürdig, das ist der Mut des Bekenners. Es gehört wahrlich Mut dazu, in der jetzigen Zeit

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