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Liberales Judentum · 1914-09-01 · Heft 9 (September 1914) · p. Seite 190

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 9 (September 1914)
Date
1914-09-01
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 Ar. C. Kelrgmann: Erinnerungen aus dem Kriegsjahr 1870 Erinnerungen aus äem Xriegsjakr I87O. Sottesclienkt bei Metz am verMnung5fekt. Düdifchc Seelsorge. Von Dr. C. Seligmann-5rankfurt a. IR. us den Kreisen jüdischer Soldaten der Belagerungsarmee vor Metz erging gegen Anfang des Monats August (870 an das Stadtrabbinat in Mannheim das Ersuchen, bei dem kommandierenden General Herrn von Manteuffel dahin vorstellig zu werden, daß ihnen gestattet werde, das Neujahrs- und Versöhnungsfest nach den Vorschriften ihrer Religion feiern zu dürfen, soweit dies die dienstlichen Verhältnisse gestatteten. Das Stadtrabbinat in Mannheim wandte sich infolgedessen an den kommandierenden General des I. ' Armeekorps von Manteuffel mit einer Gingabe, in der dem Bedauern Ausdruck verliehen wurde, daß bisher die jüdischen Soldaten des Feldheeres der Seelsorge durch jüdische Feldgeistliche entbehren mußten. Für die hohen Festtage, so heißt es dann weiter in der Gingabe, habe sich ein im Breslauer rabbinischen Seminar ausgebildeter Theologe in patriotischer Gesinnung bereit erklärt, die Ausübung feldgeistlicher Funktionen auf dem Kriegsschauplatz zu übernehmen. Durch Telegramm vom 25. August teilte General von Manteuffel dem Mannheimer Stadtrabbinat mit, daß er an den hohen Festtagen, soweit es nach den Verhältnissen tunlich sei, eine Dispensation der jüdischen Soldaten vom Dienste angeordnet habe, und daß er die Entsendung eines jüdischen pt*eidigers dankbar annehmen werde. Demzufolge begab sich der spätere Rabbiner in Luxemburg, Dr. 3- Blumenstein, der sich dem Mannheimer Stadtrabbinat zur Verfügung gestellt hatte, in das Lager vor Metz. Ueber seine Erlebnisse und über den von ihm veranstalteten Feldgottesdienst vor Metz berichtet Dr. Blumenstein wie folgt: „Durch die Legitimation, welche mir von dem Bürgermeisteramte und dem Gtappenkommando in Mannheim erteilt worden, erhielt ich als „israelitischer Feldgeistlicher" freie Fahrt (2. Klasse) in das Hauptquartier des I. Armeekorps, wohin ich mich gemäß der von Seiner Exzellenz dem General von Manteuffel an Großh. Stadtrabbinat ergangenen telegraphischen Mitteilung d. D. Barbe vom 25. v. M. zunächst zu begeben hatte. . . Ich kam (am Freitag, den 3O. Sept.) nach Tourcelles, der letzten Eisenbahnstation vor Metz und erreichte vermittels eines von dem Johanniter Baron von Gramm aus Hannover mir freundlichft zur Verfügung gestellten Magens um 2 Uhr meinen Bestimmungsort. Ich begab mich sofort zu Seiner Exzellenz dem kommandierenden General Herrn von Manteuffel, der aber eben im Begriff war, sich mit dem Generalstabe zur Tafel zu begeben. Exzellenz empfing mich sehr freundlich, lud mich zur Tafel ein und bemerkte, daß er geschäftlich mich erst gegen 3 Uhr zu sprechen wünsche. Dankend lehnte ich die freundliche Einladung ab und fand mich zur bestimmten Stunde ein. Ich überreichte Sr. Exzellenz das verehr!. Schreiben vom 28. v. M., in welchem Giroßh. Stadtrabbinat mich zur Ausübung feldgeistlicher Funktionen für die Soldaten israelitischen Glaubens präsentierte. Der Herr General äußerte: Das Gesuch Großh. Stadtrabbinats vom (8. v. M. sei zu seinem Bedauern erst spät angekommen, weshalb die Berufung eines israelitischen Feldgeistlichen und die Abhaltung eines organisierten Feldgottesdienstes an den beiden Neujahr s t a g en nicht mehr zu ermöglichen gewesen, er habe indes die Berücksichtigung

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