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Liberales Judentum · 1914-09-01 · Heft 9 (September 1914) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 9 (September 1914)
Date
1914-09-01
Page
Seite 191 (sequence 11)
Language
German
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Ar. C. Seligmann: Erinnerungen ans dem Kriegsjahr 1870 191 der Soldaten israelitischen Glaubens bei Heranziehung zum. Dienste an diesen Festtagen, soweit nach den Verhältnissen tunlich, bei seinem Armeekorps und der seinen Befehlen untergebenen Division Kummer angeordnet. Den Gottesdienst am Verso h nu n g s t a g e betreffend, bemerkte Se. Exzellenz, daß ich mich nach Olgy zum General von Kummer zu begeben habe, da in der Division Kummer eine beträchtliche Zahl Soldaten israelitischen Glaubens, sich befinden, aus deren Mitte auch das Gesuch an Großh. Stadtrabbinat um Verwendung behufs Erlaubnis zur Feier der hohen Festtage ergangen ist. Montag, den 3. Oktober, traf mich Herr von Manteuffel und machte mir von seiner Einordnung persönlich freundliche Mitteilung mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß er für die Israeliten der Division Kummer nichts mehr anzuordnen habe, da letztere seinen Befehlen nicht mehr untergeben ist. Se. Exzellenz bemerkte, daß der Gottesdienst in St. Barbe, dem Mittelpunkt der Standquartiere, stattzufinden habe, da auch die am Gottesdienste teilnehmenden Soldaten bei einer etwaigen Alarmierung in kürzester Zeit zu ihren Abteilungen zurückkehren müßten. „Kommt Bazaine, so hört alles auf." Die weiteren Anordnungen möchte ich mit seinem Adjutanten vereinbaren. Bach einer Besprechung mH letzterem wurde zunächst die Zeit für den Gottesdienst dahin festgesetzt, daß derselbe Dienstag Abend von. 6—71/2 Uhr, Mittwoch morgens von 8 bis gegen H Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr ab gehalten werde, daß aber jedenfalls die Soldaten nach vollbrachter Andacht in ihre «Quartiere sich zurückzubegeben haben. Das Bedürfnis -des Nachmittagsgottesdienstes, nachdem bereits einer am Vormittage stattgefunden, wollte dem Herrn Major nicht einleuchten, zumal unter den obwaltenden Verhältnissen. Er meinte auch, daß ihm dadurch neue Schwierigkeit wegen der nötig werdenden Verpflegung der Soldaten entstehen würde! Eine Besorgnis, deren Beseitigung ich für Jom-Kippur leicht übernehmen konnte. Eine nicht unwesentliche Schwierigkeit bot noch die Mahl des Ortes. Von einem eigentlichen Feldgottesdienste mußte für Dienstag Abend wegen der Dunkelheit und auch für Mittwoch aus selbstverständlichen Gründen abgesehen werden. Es ist erwähnenswert, daß mir die Benutzung der katholischen Kirche angeboten wurde, obwohl dieselbe erst von einer großen Zahl Soldaten, ihren zeitigen Bewohnern, fiir diesen Zweck hätte geräumt werden müssen! — Da jedoch ein Königsberger Arzt, mein unmittelbarer Nachbar, mir bereitwilligst sein dem meinigen angrenzendes Zimmer einräumte, so fand der Gottesdienst in diesen beiden Räumen statt. Zum Gottesdienste erschienen nun Dienstag, am Vorabend des Versöhnungstages, fast sämtliche israelitische Soldaten der Regimenter 5, ^5 und als ihre Heimat bezeichneten sie größtenteils: Thorn, Tulm, Danzig und Tilsit, mehrere derselben sind zur Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz vorgeschlagen. Die meisten kamen aus den Dörfern Tolombe>', Ogy, Servigny, Retonfay, Flonville und. Laquenexv. Wenige Mimten vor 6 Uhr ließ ich den Gottesdienst beginnen. Ein Unteroffizier trug die sämtlichen Gebete sehr angemessen vor. Vor dem Schlußgebet Olenu hielt ich die predigt über den Text aus Ieremia Kapitel 3f, Vers 15 und f6: „So spricht der Ewige, halte zurück deine Stimme vom Meinen und dein Auge von Tränen, denn ein Lohn ist für dein Tun, ist der Spruch des Ewigen, und sie werden zurückkehren aus dem Lande des Feindes. Und Hoffnung ist für die Zukunft, ist der Spruch des Ewigen, und , es

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