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Liberales Judentum · 1914-08-01 · Heft 8 (August 1914) · p. Seite 170

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 8 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 170 (sequence 14)
Language
German
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170 o o 6 o Prof. Ar. Stern: Die religiöse Reform nur zu erhalten, sondern auf der jeweiligen Höhe zu erhalten. Nur die notwendigen und Zweckgemäßen Dxfer, sonst wäre eine Selbstverstümmelung zur Ehre Gottes auch ein wohlgefälliges Opfer; auch die Askese dürfte dann vom Judentum nicht verworfen werden, während der Talmud schon die milde Askese des Nasiräats hart beurteilt. Diesem Wesen des Judentums muß bei den Juden die europäische Kultur assimiliert werden, wir nehmen sie ins Judentum auf, aber wir lassen das Judentum nicht in sie aufgehen, wir Juden wollen die europäische Kultur, ' weil sie eine gewaltige Beireicherung des Menschentums bedeutet, und weil das Judentum immer auf der Höhe des Menschentums stehen soll, wir folgen dem Beispiele R. Zochanan ben Sakkais; wir bleiben auf dem Wege, den uns der Talmud geführt hat, wenn wjr der Aufnahme der europäischen Kultur ins Judentum j)latz schaffen. Das ist unser Stolz auf den Talmud, daß er uns lehrte, trotz aller Bedrückungen und Verfolgungen, trotz des Meeres von Blut und Tränen, das die Zuden durchziehen mußten, immer unser volles Menschentum zu wahren: Gemüt und Geist. Religion war den Juden zu jeder Zeit nicht heiliger und nicht weniger heilig als Wissenschaft und Wissenschaft und Zivilisation nicht bedeutungsvoller und nicht weniger bedeutungsvoll als Kultur, deren wichtigstes Element unserer Gesamtheit eben die Religion ist. Nichts wesentliches dürfen wir aufgeben um der Ehre unseres Namens, um unserer großen Vergangenheit, um unserer noch größeren Zukunft willen, und das Judentum kann nur erhalten werden durch die Zuden, die Juden nur durch das Judentum. . Das ist nun das Prinzip, von dem die Reform ausgehen muß: All das, wodurch die Juden verkümmern, wodurch ihre Existenzmöglichkeit verringert werden müßte. soll, um eben vor Verkümmerung und Untergang zu bewahren, den Verhältnissen angexaßt werden, wie es auch früher stets angepaßt würde. Die Juden kommen ihrer Bestimmung nicht mit aktiver Propaganda unter anderen Völkern nach, aber sie kommen der, Aufgabe, der sie vom Anfänge ihrer Geischichte an lebten, auch weiter nach, das Judentum immer auf die volle Höhe jeweiligen Menschentums zu bringen und dadurch ein Zeuge Gottes unter den Völkern zu sein. Für die Zuden bildet ihre Religion das bedeutendste konstitutive Element ihres Daseins, aber alles, was das Dasein erhöht, wird ausgenommen und der Religion assimiliert. Der Theologen Sache ist es, die notwendigen Veränderungen nach dem Vorbild und dem Beispiel des Talmud mit der Bibel in Uebereinstimmung zu bringen. Das wären schlechte Theologen, die dies nicht leisten könnten, denn nicht die Religion soll verändert werden, sondern nur die Betätigung der Religion. IV. Die Durchführung der Reform. Man müßte nun zur Durchführung dieser Reform den ganzen Schulchan aruch vornehmen und an jeden seiner vielen Paragraphen das Prinzip von der Gleichwertigkeit des Judentums mit dem jüdischen Volke als Maßstab anlegen. Es wird auch jm Laufe der Zeit dazu kommen. Zeit Und Leben tun es freilich schön jetzt, aber in brutaler weise. Geschulte Sände denkender Theologen werden es zarter und zweckentsprechender machen, Hier soll nur in großen Zügen gezeigt werden, wie das durchizuführen ist. Doch zunächst ein Wort über j)rivatfrömmigkeit, über Betätigung der Religion von Seiten des einzelnen Zuden. Dies ist darum wichtig, weil die Gemeinschaft aus Einzelnen besteht und deren Bestrebungen und?

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