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Liberales Judentum · 1914-08-01 · Heft 8 (August 1914) · p. Seite 162

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 8 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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162 O O o o» Ludwig Geiger: Herwan Ueit Kiwon hervorragenden Stellungen befinden, mit innigem Dank, ja geradezu mit schwärmerrischer Verehrung. Herman Veit Simon war ein Deutscher. In deutscher Gesittung, in der Verehrung deutscher Kunst ausgewachsen, durch eine vielseitige deutsche Lektüre gebildet — er liebte, selbst aus Reisen, nicht leichte Lektüre, sondern beschäftigte sich auch dort mjt tiefsten Problemen aus den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft — glaubte er ein volles Anrecht zu haben, nicht nur ein Deutscher zu heißen, sondern auch ein Deutscher zu sein. Er war kein Politiker in dem Sinne, daß er eine poli-, tische Rolle zu spielen erstrebte oder volks- und Parteiversammlungen mit Vorliebe besuchte; aber ein reifer politischer Denker, ein liberaler Mann, der niemals zu den Stürmern gehört hatte, sondern der national-liberalen Richtung vom Grunde seines Herzens angehörte. Sjo las er bis zuletzt mit Vorliebe die „preußischen Jahrbücher", deren Mitarbeiterschön Moritz Veit gewesen war, nicht bloß aus Verehrung für diesen verwandten, sondern weil er die Ueberzeugung des Blattes teilte. Herman Veit Simon war ein wirklich gläubiger -Jude; treu den Traditionen des Elternhauses, durch das Beispiel seines Großfoheims Moritz Veit geleitet, hätte er sich einen Fonds kindlicher Gläubigkeit, festen Gottveytrauens, bewahrt. In schweren SchicksalSjschlägen hielt ihn die Ueberzeugung von einer göttlichen Führung aufrecht. Er war, soweit es ihm sejn anstrengender Berus gestattete, ein treuer Besucher des Gotteshauses. Der versöhnungstag besonders war ihm und feinem Hause ein Weihetag. Mehrere Jahrzehnte hindurch stellte er seine Kräfte in den Dienst allgemeiner jüdi-- scher Angelegenheiten. Fünfzehn Jahre gehörte er dem Repräsentantenkollegium der Berliner Gemeinde an. Es gab kaum eine Sitzung, jn der er nicht das Wort ergriff; er war es, der nicht bloß in schwierigen: juristischen Angelegenheiten, sondern auch in. allgemeinen Fragen durch seinen Rat, durch seine wohlbegründeten Darlegungen den Aufschlag zu geben wüßte. Er war vor vielen. Jahren der Begründer eines liberalen jüdischen Vereins in Berlin gewesen. Der' veüeinigung für das liberale Judentum in Deutschland gehörte er seit deren Begründung, an und beteiligte sich mit Ernst und Erfolg, an ihren Arbeiten. Diese liberale Wendung hatte sich erst allmählich in ihm vollzogen; denn Ursprünge lich stand er unter der Tradition, die von Moritz Veit ausgegangen war. Dieser aber, der intime Freund, wenn auch nicht ganz undgar der Gesinnungsgenosse von Michael Sachs, besaß einen starken romantischen Zug, der ihm, wenn er sich auch von den meisten Formen befreit hatte, den Altgläubigen näherte. Simon, obgleich er vielleicht nie diesen romantischen Zug völlig los wurde, trat, je älter er würde, immer mehr auf dis Seite der Freisinnigen und gehörte ihr schließlich ganz an. Denn es war ein echt liberaler Gedanke, daß er der Beteiligung der Frau in Gemeindeangelegenheiten lebhaft das Wort redete. Er forderte wiederholt, daß die Trennung der Geschlechter in den Gotteshäusern, die Verweisung der Frauen aus die Emporeaufgehoben würde, daß den Frauen zur Seits ihrer Männer der Platz angewiesen würde- Er trat, obgleich er des Hebräischen nicht unkundig war, und die Beibehaltung ehr> würdiger Gesänge und hebräischer Gebete befürwortete, eifrig dafür ein, baß der deutschen Sprache in den Gebeten ein breiterer- Platz eingeräumt wurde. Er wünschte, daß das Gebetbuch entlastet würde von allen Anspielungen, die ein zionistisches Gepräge an sich trugen und von allen den Stellen, die demmf dernen Kultur empfinden widerstrebten. Auch an den Arbeiten der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland nahm er regen

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