Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 8 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o 161 Ludwig Geiger: Herman Krit Simon zenden Geist, zündenden ksumor, musikalische Begabung, schauspielerisches und dichterisches Talent nicht nur das eigene f)cms, sondern alle Kreise, in denen er verkehrte, zu beleben wußte. Dieser Frohsinn, ein schönes Erbteil der Mutter, war durch seinen Optimismus bedingt. Wie er im Weltleben an den Fortschritt und an den Sieg des Guten glaubte, so war er auch bei persönlichen Erlebnissen, bei harten Schicksalsschlägen, die ihn trafen, trotz aller tiefen Empfindung für die Prüfungen, die ihm bereitet wurden, von einer wunderbaren Kraft erfüllt und frohgemut weiter zu leben. So tief erschüttert er auch häufig war, stets wußte er das Gute hervorzuheben und sich mit dem Schlimmen abzufinden. Lr besaß ein tiefes Gemüt und zeigte oft eine Weichheit, welche die Fernstehenden dem starken seines Weges so sicheren Manne kaum zugetraut hätten. Er gehörte voll und ganz der Gegenwart an und wandte doch seinen Blick der Vergangenheit zu, denn er war geschichtlich geschult und bewandert, die Probleme, mit denen die Gegenwart ringt, durch ihre Entwicklung zu begreifen und aus der Vergangenheit zu lösen. Er versagte der Jugend, mit der er freudig verkehrte, nicht ihr Recht, gönnte ihr die Selbständigkeit des Empfindens, doch verlangte er auch für die Kelteren das Recht des Mitsprechens und begehrte, daß sie nicht zurückgewiesen und beiseite geschoben werden dürften. Die Pietät, die sonst selbstsicheren Männern so wenig eignet, war ein Grundzug seines Wesens. Sie betätigte sich u. a. dadurch, daß er seinem Familiennamen den Ramen Veit beifügte, nicht bloß zur Erinnerung an den berühmten Großonkel, auf den er mit Recht stolz war, sondern zur Wahrung der Tradition in der Familie Veit, die zu den ersten wiener nach Berlin eingewanderten Familien gehörte. Darum begründete er eine Ve'itsche Familienstiftung, die alljährlich einen Familientag abhielt, um den weitverzweigten Stamm der Verwandten zusammenzuhalten und die Erinnerung an die Vergangenheit zu beleben. Diese Pietät bekundete er aber auch der eigenen Vergangenheit gegenüber: der Schule, die er besucht hatte, der Universität, auf der er ausgebildet worden war. Er feierte gern mit seinen Genossen die Gedenktage des Abgangs von dem Gymnasium. Bei der ^0. Wiederkehr dieses Tages vereinigte er alle Ueberlebenden mit dem greisen Lehrer L. Bellermann, der den ergrauten dankbaren Schülern in der prima eine Homerstunde gab, und versammelte Lehrer und Kameraden bei sich zu einem frohen Mahle. Innigste Verehrung weihte er seinem großen Universitätslehrer L. Goldschmidt, von dem er die bestimmende Richtung erhalten hatte, und mit dem er zeitlebens verbünden blieb. Er genoß des Meisters Anerkennung und Freundschaft und genoß die wehmütige Freude, die nachgelassenen Schriften des großen Forschers herausgeben zu dürfen. Aus der Förderung, die er von Lehrern und Meistern erlangt hatte, lernte er diepflicht, für andere tätig zu sein. Nicht bloß für den engsten Kreis der Seinen, auch nicht nur für den weiten seiner Freunde, denen er zeitlebens unverbrüchliche Treue wahrte — eine große Schar, in der Thristen und Juden fast gleichmäßig vertreten waren —, sondern auch für die vielen, die sich an ihn wendeten. Er war wohltätig und hilfsbereit. Er hat viele gefördert, manchen eine hohe Stellung verschafft. Solches tat er, nicht etwa um seinen gewaltigen Einfluß zu bekunden, sondern in dem Streben, den rechten Mann an den rechten Platz zu stellen, das wirkliche Verdienst zu ehren und zu würdigen. Und wie seine Lehrer und Meister in ihm den bedeutenden Schüler sahen, so lohnten ihm seine Schützlinge, die auch ihrerseits zu tüchtigen Männern emporwuchsen und sich schon jetzt in