Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1914-08-01 · Heft 8 (August 1914) · p. Seite 160

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 8 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3126481-3126546-3126554--1802-3128629
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

160 o o o o Ludwig Geiger : Herwan Ueit Simon primus omnium verließ. Er bezog {874; die Universität Heidelberg, um Jurisprudenz zu studieren und setzte seine Studien in Berlin fort. Er wurde 1877 Referendar, 1881 Assessor und ließ sich Anfang 1882 in Berlin als Rechtsanwalt nieder. Einige Jahre lang war er Direktor der Internationalen Bank, er wendete sich dann aber wieder der Advokatur zu als Rechtsanwalt am Kammergericht, wo * er eine außerordentliche hoch bedeutende Tätigkeit entfaltete. Er war ein hervorragender Jurist. Sein Büro, das er zuerst allein, seit 15 Jahren mit Kollegen, deren Zahl sich ständig vermehrte, zuletzt auch in Gemeinschaft mit seinem ältesten Sohne leitete, war eines der angesehensten in Berlin. Er hatte die schwierigsten Angelegenheiten zu bearbeiten, besonders Bank-, Bilanz-, Steuer- und Kolonial-Angelegenheiten; von großen Aktiengesellschaften, häufig auch von Behörden wurde er um Gutachten angegangen. Gerade diese Arbeiten — durch ihren Scharfsinn und ihre Gründlichkeit ausgezeichnet — verschafften ihm eine autoritative Stellung unter seinen Kollegen, sowie bei Gerichten und Behörden des In- und Auslandes. Er wurde durch deutsche, italienische und türkische Grden ausgezeichnet, wurde zum Notar, zum Iustizrat ernannt und erlangte, weit früher als die meisten Berufsgenossen, im Jahre 1915 bei der Einweihung des neuen Kammergerichtsgebäudes den Titel eines Geheimen Iustizrats. So außerordentlich er auch durch seine anstrengende Praxis beschäftigt war, so begnügte sich der unermüdliche nicht mit der praktischen Tätigkeit, sondern trat vielfach als Schriftsteller auf. Sein Werk: „Die Bilanzen der Aktiengesellschaften", das in mehreren Auflagen erschienen und weitverbreitet ist, ist eine außereordentlich klare und in alle Schwierigkeiten der Materie eindringende Arbeit. Mit Kammergerichtsrat Keyßner gab er vor Jahren eine Kommentar zum Aktienrecht des Handelsgesetzbuchs Heraus, der in der Bearbeitung des Stoffes vorbildlich geworden ist. Neben dem Aktienrecht beschäftigte er sich besonders mit steuerrechtlichen Fragen; noch in letzter Zeit gab ihm die Streitfrage über den Wehrbeitrag von Ausländern Gelegenheit, in der „Deutschen Iuristenzeitung" gegenüber dem Standpunkt der Regierung die Unzulässigkeit der Erhebung des wehüb eitrag es von Ausländern, mit deren Staaten bestimmte Sonderabmachungen bestehen, zu betonen. Auch sonst ist Simon vielfach literarisch mit Aufsätzen in Zeitschriften, wie mit großen Abhandlungen, noch kürzlich in der Festschrift für I. Rießer, hervorgetreten. Aber Amt und Wissenschaft allein füllten seine Zeit nicht aus. Er war ein Mensch, der gern mit anderen lebte und sich der Freude des Daseins hingab. Frühzeitig, noch als Referendar, verlobte er sich mit Hedwig geborenen Stettiner und verheiratete sich mit ihr unmittelbar nachdem er sein Assessorexamen bestanden hatte. Er führte mit seiner anmutigen hochgebildeten tapferen Frau, die unter der Sonne des Glücks wie im jDrobierstein des Unglücks ihre Kraft und ihren Mut, ihren Seelenadel und ihre sittliche Größe bewährte, eine sehr glückliche Ehe. Er gestaltete sein Haus, dem das Unglück nicht fern blieb und das doch durchleuchtet war von innerer Glückseligkeit, zu einem Tempel des Friedens und zu einer Stätte froher Geselligkeit. Sowohl in den ersten Jahren, da die Verhältnisse noch bescheidener waren als später, da sich sein Leben glänzend gestaltet hatte, verstand er es, frohe, durch urwüchsigen Humor und durch die frische anregende Heiterkeit der Gastgeber ausgezeichnete Feste zu feiern. Denn er war ein glänzender Gesellschafter, der auch in den Kreisen der Freunde durch eine unnachahmliche Gabe der Unterhaltung, durch glän-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.