Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 152 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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152 Ar. Gelles: Er« Uorfchlag ptv Sabbat - Keiligung segnete den siebenten Tag und heiligte ihn; denn an ihm hatte ein Ende erreicht, sojdaß nicht ganz vervollständigt würde, seine Aufgabe, die Gott geschaffen hatte, um ausgeführt zu twerden"^) -(nämlich vom Menschen). 5o wird der Sabbath zum Symbol für den allgemeinen Menschheitsfrieden, jeder Werktag aber eine Mahnung zur Mitarbeit am Aufbau des malkuth schamajim, des Reiches der Vollkommenheit. „Die Welt, die dich gebildet hat, Du kannst der Pflicht jdich nicht entschlagen, Der Nötigung, nun auch an deiner Statt Zu ihrer Bildung beizutragen." (Rückert.) „Der Zweck der tätigen Menschengilde Ist die Urbarmachung der Welt, 4) leassoth — Jnfin. Nifal (nicht Poal). Gb du pflügest des Geistes Gefilde Oder bestellest das Ackerfeld." (Rückert.) Nun noch die kritischste aller bibelkritischen Fragen: Wer ist der Verfasser unseres Kapitels? — Diese Frage beantwortet Steinthal in seinem Vortrag „Die Erzählkunst der Bibel" (Vorträge und ^Abhandlungen zu Bibel und Religionsphilosophie) wie folgt: „Nichts einerseits deutet darauf hin, daß irgend ein Stück in der Bibel aus dem Volke hervorgegangen wäre, alles weist vielmehr auf bestimmt ausgeprägte Individuen als Verfasser; aber diese Schriftsteller andererseits zeigen eine so reine Sachlichkeit, hinter der die Persönlichkeit so völlig verschwindet, daß sie wie Erzeugnisse des allgemeinen Mensch engei st es selbst erscheinen." (in Vorfchlag zur Sabbat-Heiligung. \7on Rabbiner Dr. öeHes-Offa. er am Sabbat die Synagoge in einer Klein- oder Mittelstadt aufsucht, gewahrt zu seiner tiefsten Betrübnis, daß die Frequenz des Gottesdienstes eine erschreckend kleine ist, und sich immer mehr verringert. Denn die eigentlichen Stützen, die regelmäßigen Besucher des Gotteshauses gehören dem älteren Geschlecht an, und ihr Tod hinterläßt eine Lücke, die nur in den seltensten Fällen ausgefüllt wird. Man hat früher geglaubt, daß mit dem Einzug der Grgel, mit der Modernisierung des Gottesdienstes das Interesse an ihm wachsen und -ie Synagogen bis auf den letzten j)latz werden besetzt sein. Und in der Tat, — in all' den Gemeinden, die sich mit der Einführung der Mrgel zu einem Fortschritt des Gottesdienstes bekannt haben, konnte das Auge sich an den ersten 3—6 Sonnabenden an der großen Schar der Beter erfreuen, um hinterher mit um so größerem Schmerz festzustellen, daß das psychologische Gesetz, „die Gewohnheit stumpft den Reiz ab", auch in der Synagoge die Neugier besiegt habe, freute steht in den Klein- und Mittelstädten der Sabbatgottesdienst vor dem Bankrott — und nicht nur in den Drgelsynagogen: die älteren Besucher sterben aus, Ersatz meldet sich nicht, und auch die Zahl der Minjanleute, der honorierten Beter, nimmt erfreulicherweise mit dem wachsenden Wohlstand ab. So sind also die Klein- und Mittelgemeinden vor die Notwendigkeit gestellt, den Besuch des Gottesdienstes zu organisieren, um vom Sabbat zu retten, was zu retten ist. wenn wir den Gründen nachgehen, die eine Abwanderung vom Gottesdienst herbeigeführt haben, so zeigen sich uns besonders drei. Erstens sind es solche ökonomischer Natur. Man begegnet heute vielfach der Ansicht, daß es Gott wohlgefälliger sein muß, für Weib und Kind zu sorgen, als am