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Liberales Judentum · 1914-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1914) · p. Seite 146

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 146 (sequence 30)
Language
German
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146 O 0 o o Claude G. Mantefiarr: Auszüge aus der Sidel für's Haus gleich ausgezeichnetem .werte. Aber als Ganzes betrachtet, giebt es kein anderes Buch, das so erhaben über Gott und das Gute redet als die Bibel. Und deßhalb ist sie auch zu allen Zeiten von den verschiedensten Völkern geliebt und geschätzt worden. Denn Gott und das Gute können niemals Veralten, Männer und Frauen wollen immer von ihnen hören und in dieser Einsicht ist ein Zeitalter dem andern gleich. Die Poesie der Bibel ist gewiß von großer Schönheit, aber nicht dies inacht ihren wert aus. Ihre Erzählungen sind meist höchst interessant, aber nicht dieser Eigenschaft wegen werden sie immer und immer wieder gelesen. Ihre Sprüche, so weise sie sind, hat man nicht deswegen auswendig gelernt. Ihre Geschichte berichtet von vielen Begebenheiten, an denen uns aber nicht viel gelegen sein kann. Denn an den Begebenheiten als solchen hat auch der Erzähler derselben nur ein geringes Interesse. Das wichtigste für ihn bleibt die Moral, die sich aus der Erzählung ergiebt. Je später in der Zeitfolge, desto deutlicher tritt dieser Beweggrund hervor. Ebenso haben auch die Leser der Bibel sich verhalten, sie haben in derselben die höheren Gedanken, die ihr zu Grunde lagen, gefunden: das Gute Und Gott, die Lehren von Tugend und Laster, von Heiligung und Sünde, von Gottes walten in der Welt. Der Hauptinhalt der Bibel ist also Religion. Sie ist in hebräischer Sprache von Hebräern und ursprünglich auch für Hebräer geschrieben. Ich, der ich dieses Buch schreibe und ihr, die ihr es lest, wir sind Juden. Vielleicht hat einer unserer Ur-ur-ur-väter selbst einstmals einen Abschnitt der Bibel ab gefaßt. Aber heut zu Tage sprechen wir nicht mehr hebräisch, sondern die Sprache des Landes, in dem wir leben, ohne deßhalb aufzuhören, Zuden zu sein. Dies werdet ihr später besser verstehen können. Jetzt will ich nur noch einmal wiederholen, daß ihr und ich Juden sind, und Daß die Bibel von Juden für Juden verfaßt würde und zu uns als Juden spricht. Und darum ist dieselbe auch von besonderem Interesse für die Juden, und wird wohl auch am höchsten von ihnen geschätzt. Und ihr wißt jetzt auch den Grund dafür. Erzählt sie uns doch die früheste Geschichte und Taten unseres Volkes, sie ist geschrieben von unfern Vorfahren für uns und unsere Brüder aller Zeiten, und darum haben wir auch alle Ursache stolz zu sein auf unsere Bibel, die alle Denker für das größte Buch religiösen Inhalts halten. Laßt uns nun aus dem Gesagten die zwei Hauptsachen noch einmal zusammenfassen. Die Bibel ^berichtet uns von dem Guten und Gott. 2. Die Bibel wurde von Juden über Juden für Juden geschrieben. Da nun, wie ihr seht, die Bibel den Völkern von Europa, Amerika und Australien das Meiste, was sie von Gott und dem Guten wissen, gelehrt hat, so waren folglich die Juden die großen Volksbelehrer über das Gute und Gott. Denn das Erhabenste, das die Kulturvölker über diese Begriffe besitzen, haben sie den Juden zu verdanken. Aber nicht nur Begriffe allein haben die Juden gelehrt. Sie haben vielmehr den Schwerpunkt darauf gelegt, daß die Liebe zu Gott und die Liebe zum Guten zu einander gehören, daß man nicht Gott lieben kann, wenn man nicht auch das Gute liebt. Ihr werdet vielleicht fragen: woher konnten die Hebräer — die Männer, die die Bibel schrieben — so gut über Gott und das Gute unterrichtet sein? Dies scheint eine leichte Frage, die jedoch recht schwer zu beantworten ist. Die beste Antwort ist wohl die, daß Gott ihnen mitgeteilt, was sie uns erzählen. Mit Gottes Beistand und 'willen schrieben sie über ihn

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