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Liberales Judentum · 1914-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1914) · p. Seite 145

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 145 (sequence 29)
Language
German
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o o o o 145 Claude G. Montefiorr: Auszüge aus der Bibel für's Kaus weil fie aus vielen Büchern besteht, die als ein ganzes Werk vereinigt wurden. Da aber anderseits diese Sammlung, wie wir sie heut zu Tage kennen, schon vor 2000 Jahren zusämmengestellt worden ist, so können wir sie gerne als ein Buch auffassen. Selbstverständlich sind diese einzelnen Teile, was Form und Inhalt betrifft, sehr verschiedener Art. So begegnen uns in diesem herrlichen Werke sowohl geschichtliche Tr-. Zählungen, Poesie, Sprüche, als auch Sagen, Hymnen, Reden usw., die aber weder in einer und derselben Zeit, noch von einem und demselben Autor verfaßt wurden. Ja selbst . Teile eines einzelnen Buches können verschiedenen Zeiten und verschiedenen Verfassern angehören. ..Und die fetzige scheinbare Einheit ist einem späteren Redaktor zu verdanken. Man bedenke, daß man in alter Zeit ganz ^andere Begriffe von einem Buche hatte, als in der Jetztzeit. Da gab es noch keine Buchdruckereien. Ulan schrieb auf Rollen, die viel teurer als unser Papier waren. Einer konnte etwas schreiben und ein anderer etwas hinzufügen, so daß ein Buch nur allmählich entstand, gleichsam wie manche Schlösser, an denen man Jahrhunderte baute, ehe sie vollendet wurden. Die hebräische Bibel ist in ihrer jetzigen Gestalt etwa 2000 Jahre alt. Einiges (aber nicht vieles) war schon vor 2800 Jahren geschrieben und manches (auch nicht vieles) vor nicht mehr als 2000 Jahren, so daß zwischen ihren ältesten und ihren neuesten Teilen ein Zeitraum von 800 Jahren liegt. Dies ist eine lange, lange Zeit! Ls braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß in solchen Zeiträumen Gedanken und Vorstellungen der Menschen sich verändern und entwickeln. Aber trotzdem wachen wir die Wahrnehmung, daß wichtige sittliche Begriffe schon in den ältesten Partien der Bibel dieselbe .Bedeutung haben, wie in den allerjüngsten. wenn nun auch ein gewisser Unterschied in diesen verschiedenen Teilen der Bibel herrscht, so dürfen wir dies nicht so verstehen, daß, wenn man eine hebräische Bibel öffnet, der älteste Teil auf der ersten und der neueste auf der letzten Seite zu finden ist. Dies ist nicht der Fall, sondern die einzelnen Stücke sind miteinander vermischt. In ihrer Sprache weist die hebräische Bibel nicht viel Veränderungen auf. Das hebräische der ältesten Partien ist zwar nicht ganz dasselbe, als das der neuesten, abev die Veränderung vollzieht sich nur sehr allmählig. Die Bibel äst in alle zivilisierten Sprachen übersetzt, aber es ist doch am besten, sie in der Ursprache zu lesen. Nun haben wir gesehen, daß wir die Bibel als ein Buch betrachten können^ weil ihre einzelnen Teile vor so langer Zeit zu einem großen Werk vereinigt wurden. Es giebt aber noch einige andero Gründe für ihre Einheit. Zu allererst sei hervorgehoben, daß die- Bibel durchweg von Männern derselben. Nation, derselben Rasse geschrieben wurde. Zweitens: daß der größte Teil ihres Inhalts von der Geschichte dieses Volkes handelt undnur ganz flüchtig im Zusammenhänge mit diesem, auch von andern Völkern spricht. Drittens ist trotz mancher Abweichungen docheine große Einheit vorhanden, die wie ein roter Faden das ganze Werk durchzieht. Die Bibel hat es nämlich mit zwei großen Gedanken zu tun, die vereinigt die Religion, bilden. Diese Aber Begriffe sind: Gott u n ddas Gute. Und von diesen erzählt uns die Bibel. Dies macht sie zu einer Einheit und giebt ihr auch ihren einzig dastehendem wert. Rein anderes Buch spricht zu dem Menschen so schön und so wahr über Gott und das Gute als die Bibel. Aber auchhier sind verschiedene Grade zu spüren^ denn nicht alles, tvas von Gott handelt undüber das Gute ausgesagt wird, ist vom

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