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Liberales Judentum · 1914-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1914) · p. Seite 142

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 142 (sequence 26)
Language
German
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oo O 0 142 Mich. Krsrchrirnrr: Gedanken;uw Problem der hebräischen Gebrtsfprachr listischen Methode des hebräischen Unterrichts anhaften und die Schwierigkeiten, die sie für das Verständnis der Sprache rnit sich bringt. Hier näher darauf einzugehen, fehlt nicht nur der Raum, sondern auch der Anlaß. Denn wenn auch auf vorgeschrittener Stufe ein systematischer hebräischer Unterricht auf grammattkalischer Grundlage angestrebt werden muß um das volle Verständnis der Sprache zu ermöglichen: auf der Elementarstufe, die für die Erlernung der Hauptgebete zunächst in Betracht kommt, ist dies naturgemäß nicht möglich, aber anderseits auch gar nicht notwendig. Handelt es sich hier doch nicht um die Sprache als solche, sondern lediglich darum, Gebetsstücke und Segenssprüche nach ihrem Inhalt dein Verständnis zu erschließen und dem Gemüt und dadurch auch dem Gedächtnis einzuxrägen. Was so erworben wurde, wird durch die Anwendung befestigt werden, und wenn ich auch Herrn Lehrer Wallach ohne weiteres zugebe, daß es so, wie die Dinge fetzt liegen, für deutsche Juden schwer ist hebräisch zu denken oder zu fühlen, so ist es jedenfalls für uns nicht schwer hebräisch zu beten, soweit wir uns die Gebete wirklich angeeignet haben. Die Einführung in die hebräische Sprache darf aus dem - Religionsunterricht nicht verschwinden, soll es möglich sein die Jugend später mit dem Schrifttum der jüdischen Vergangenheit vertraut zu machen und ihr auf diese weise einen wesentlichen Teil jüdischer Bildung zu vermitteln. Dafür aber vermag schon dieser hebräische Elementarunterricht wertvolle Dienste zu leisten. Uebrigens kann bereits auf der dritten oder vierten Stufe des Volksschulunterrichts dadurch, daß gelegentlich auf den grammatikalischen Sinn der in den Gebeten am häufigsten vorkommenden wortformen und Worteverbindungen, der s)räfixa und Suffixa hingewiesen und ebenso die inhaltliche Bedeutung der zumeist wiederkehrenden Ausdrücke dem Gedächtnis eingeprägt wird, der Unterricht erleichtert und dev spätere Uebergang zur systematisch-grammatikalischen Methode wirksam angebahnt werden, wenn Herr Wallach befürchtet, daß die Beibehaltung des hebräischen Unterrichts den Religionslehrer als „Quälgeist" der Jugend erscheinen lasse, so übersieht er, daß dies mehr oder minder auf alle diejenigen Lehrgegenstände zutrifft, die dem Verständnis des Lernenden zunächst fernen liegen und deren Kenntnis gleichwohl für wünschenswert gehalten wird. Uebrigens wird auch hier die Art des Unterrichts manches ausmachen können. Und wenn weiterhin der Verfasser die Streichung des Hebräischen damit befürwortet, daß bei der religiösen Gleichgültigkeit so vieler Eltern dieser Unterricht doch vergebliche Liebesmühe bedeute, so kämpft mit Bezug hierauf der nichthebräische Teil des Religionsunterrichts sicher nicht mit geringeren Schwierigkeiten. Außerdem schwebt ja gerade dem liberalen Judentum das Ziel vor Augen, durch beiderseitige Ausgleichung des heute .so vielfach bestehenden Gegensatzes zwischen Lehre und Leben, zwischen Schule und Elternhaus unsere Rinder in Uebereinstimmung mit dem jüdischen Leben der Gegenwart und für dasselbe zu erziehen. Vor allem aber würde die vorgeschlagene Scheidung im religiösen Leben Wirkungen herbeiführen, die meines Erachtens schwer vereinbar wären mit dem Geist der jüdischen Religion, wenn das Hebräische, wie Herr Lehrer Wallach meint, nur mehr durch den Mund der Rabbiner und Rantoren als heilige Sprache an geheiligter Stätte erklingt ohne Beteiligung und ohne Verständnis seitens der Zuhörer, so wird der Rultusbeamte zum Hüter und Verwalter eines Heiligtums, welches der Gemeinde verschlossen ist. Dadurch wird er außerhalb und über sie gestellt und wird letzten Endes zu einem Vermittler zwischen der Gemeinde und

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