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Liberales Judentum · 1914-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1914) · p. Seite 139

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 139 (sequence 23)
Language
German
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M. Henle: Arr deutsche Kantor 139 o o o o langen vielmehr eine Verschiebung im jüdischen Beamtentum. In den Vordergrund wird in Zukunft der Rantor, welcher zugleich Religionslehrer ist, treten müssen. Rantor und Religionslehrer sind ein notwendiges Bedürfnis für jede jüdische Gemeinschaft; deshalb müßten meiner Meinung nach die Funktionen ides Religionslehrers mit denen des Vorbeters in Zukunft noch inniger miteinander verbunden werden. Und da das Vorbeteramt in dem streben, das sich allenthalben bemerkbar macht, den Gottesdienst in zeitgemäßer ästhetischer Meise auszugestalten, nicht mehr als Nebenamt sondern in den allermeisten Fällen als Hauptamt betrachtet wird, so muß der Ausbildung jum Rantorat ein erhöhtes Interesse zugewandt werden. Ls muß also darauf hingewirkt werden, daß der deutsche Rantor der Zukunft sowohl als Rantor wie auch als Religionslehrer sich eine gründliche sachgemäße Vorbildung aneignet, daß er nicht nur als Lehrer, sondern auch als Rantor durch eine Prüfung vor einer Prüfungskommission seine Qualifikation für das Doppelamt nachweist. Das Augenmerk muß ferner darauf gerichtet sein, daß das Rantorat eine wissenschaftliche Unterlage gewinnt, d. h. daß das Ls erausarb eiten einer kantoralen Missenschaft unterstützt wird. Dadurch wird der Rantorberuf sowohl in seiner Stellung, als auch in der Ausübung seiner Funktionen gehoben werden und es wird nicht mehr das verlangen wach .werden, die deutschen vorbeterstellen mit Ausländern zu besetzen, wenn dieselben nicht in jeder Beziehung, also auch in allgemeiner und speziell in pädagogischer Bildung den angestrebten Forderungen genügen. Der weg zu einem solchen Ziele führt durch geeignete Vorbildungsanstalten. Dazu rechne ich die sich allmählich entvölkernden Lehrerseminare, welche zugleich Rantorenseminare werden und sein müssen, sowie die Schaffung einer Rantorenschule resp. Rantotenhochschule. Den Einwand, daß die Lehrerseminare dafür keine Zeit hätten, halte ich für hinfällig. Sobald ein Mfl l e vorhanden ist, der die Ausbildung zum Rantorat nicht mehr als etwas Nebensächliches im Seminar gelten läßt, so wird auch ein Meg gefunden werden, um für die Behandlung der kantoralen Disziplinen den nötigen Raum zu gewinnen, damit den Eleven des Rantorats wenigstens eine sichere Grundlage geschaffen wird, auf welcher sie Ml Erfolg weiterbauen können. Es wäre also ein Lehrplan einzurichten, der in den ersten 2 Jahren für Volksschullehrer, Religionslehrer und Rantoren gemeinschaftlich einen grundlegenden Unterricht bietet, während im dritten Jahr je nach Begabung die bezüglichen Disziplinen in Sonderabteilungen weiterbehandelt werden können. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, daß das Seminar, Weil dje Nachfrage nach jüdischen Volksschullehrern aus oben angeführten Gründen eine geringere werden wird, mehr und mehr von solchen Eleven aufgesucht wird, bei welchen genügend musikalische Begabung vorhanden ist, um sie dem Vorbeterdienst zuführen zu können. wenn also nur die Ausbildungs-Möglichkeiten geboten werden, dann wird sich Angebot .und Nachfrage von selbst regeln. Natürlich müßten für einen solchen kantoralen Unterricht im Seminar geeignete Lehrkräfte gewonnen werden. Aber auch die äußere Stellung der Rantoren und Religionslehrer müßte eine bessere und sichere werden, indem für das Doppelamt auskömmliches Gehalt, feste Anstellung, Alters- und Reliktenversorgung zugesichert wird. Es ist wohl selbst in Rantorenkreisen die Frage aufgeworfen Warden, ob Rantoren, welche in oben angedeuteter Meise vorgebildet und die als „Luxuskantoren" bezeich-

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