Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 137 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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o o O 0 M. Kerrie: Aer deutsche Kantor 137 beweisen, die mein und meiner Gesinnungsgenossen Vorgehen gefunden hat. Ich will es nicht tun, sondern zum Schluß nur die außerordentlich erfreuliche Mitteilung machen, daß die größte jüdische Organisation Deutschlands Sonderabdrücke meiner Arbeit in sehr hoher Zahl Herstellen laßt, um sie zu verbreiten, und das Ergebnis dieser Aktion wird, wie ich zuversichtlich hoffe, nicht' Haß und Intoleranz, sondern Klarheit, Wahrheit und Gerechtigkeit sein, wird der wahren Religion dienen. Ein hervorragender Führer des liberalen Judentums, Iustizrat Blau in Frankfurt a. M. hat im ersten Jahrgänge dieser Zeitschrift (auf Seite \55) ein Wort über Oer äeuttcke Kantor. Von M. Uenle-Uamburg. m Jahrgang No. 5 dieser Mo- . natsschrift habe ich allgemeine Gesichtspunkte aufgestellt für die Handhabung von „Gesang und Musik im liberalen jüdischen Gottesdienst." Im Anschluß an jene Ausführungen taucht die Frage auf: Wie wird ein Nachwuchs von geeigneten Kantoren für den liberalen Gottesdienst gewönnen? Ja, wie gewinnen wir überhaupt einen leistungsfähigen deutschen Kantorenstand? Denn wir können und dürfen uns nicht verhehlen, daß das deutsche Kantorat der Jetztzeit sich nicht in aufsteigender, sondern jn wellenförmig absteigender Linie bewegt. Das ist im Kantorberufe selbst erkannt worden und die Gründung des Allgemeinen deutschen Kantorenverbands ist in erster Linie aus solcher Erkenntnis hervorgegangen. Die Bestrebungen des Kantorenverbandes zur Hebung des deutschen Kantorats verdienten viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung von seiten vieler Gemeinden und der bezüglichen jüdischen Institutionen, als bisher geschehen ist. das Taufjudentum niedergeschrieben, wie ich es treffender seither nicht gelesen habe. Es lautet: „Wenn man die Wahrung der Ehre wirklich Fanatismus sollte nennen dürfen, dann wollen wir uns ruhig lieber Fanatikern nennen lassen, als nicht unsere ganze Pflicht zu tun, um dem verräterischen Treiben Einhalt zu tun." Möge sich mein gestrenger Herr Kritiker den schönen Ausspruch in's Album schreiben. So redet und handelt ein aufrechter, liberaler, jüdischer: Führer! Dr. Felix Goldmann -Gppeln. Wenn ich den Ursachen des Rückganges im Kantorate nachgehe, so finde ich, daß dieselben teils äußerer, teils innerer Natur sind. Die äußeren Ursachen sind wohl zuvörderst in dem Umstande zu suchen, daß das religiöse Leben der Juden seit der Emanzipation und den damit zusammenhängenden Reformbestrebungen in den letzten hundert Jahren einen Umschwung erfahren hat, welcher der ^Betätigung der jüdischen Allgemeinheit beim Gottesdienst nicht förderlich gewesen ist. .Ich will den Ursachen dieser Erscheinung hier nicht weiter nachgehen, will vielmehr nur auf die Tatsache Hinweisen, weil sie wie auf das Zurückgehen der Kenntnis der hebräischen Gebetsprache bein der großen Masse der deutschen Juden, so auch auf die Kenntnis der liturgischen Vorschriften und der gebräuchlichen Gesänge beim Gottesdienst zersetzend und zerstörend eingewirkt hat. Dadurch ist pas geeignete Material für das Kantorat im Abnehmen begriffen und die sogenannten Baltefila-Fertigkeiten, wie sie früher sehr verbreitet gewesen sind, schwinden immer mehr; nur eine-