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Liberales Judentum · 1914-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1914) · p. Seite 136

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 136 (sequence 20)
Language
German
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136 Erwiderung von Ar. Goldmann o o o o hält und wenn man nirgends anstößt. Aber der Herr Verfasser walle es mir nicht übel vermerken, wenn ich niederschreibe, was mich bewegt, und wenn ich dabei aus der heißen Empörung gegen Unrecht und Unmoral heraus, angesichts des traurigen Ergebnisses meiner Forschungen, einmal leidenschaftliche Worte verliere. Der Herr Verfasser weist mich auf den sanften Weg verzeihender Liebe, die auch den Abtrünnigen umfaßt. Der Täufling hat uns nun heute wie früher die wuchtigsten Schläge versetzt - Die Moral jedoch, die die linke Wange hinzuhalten gebietet, wenn die rechte geschlagen ward, ist nicht die des Judentums! von Haß gegen die Täuflinge ist ebensowenig die Rede, wie von einem Hasse etwa gegen Diebe und Mörder. ^Ihre Taten müssen einfach mit dem rechten Namen genannt und gebrandmarkt werden, man muß solche Menschen auf den rechten Weg zurückzubringen versuchen, sich im Uebrigrn aber vor ihnen hüten! Sünde dulden, heißt Sünde Z roßziehen! Wenn der Herr Verfasser erkennen will, welches nach dieser Richtung die echten Forderungen des Judentums sind, so möge er einmal Nachlesen, welche entrüsteten, wuchtigen und leidenschaftlichen Worte unsere edelsten Vorbilder, die Propheten, ein Amos, ein Hosea, ein Jesaja, ein Jeremia gefunden haben, sobald es gegen Unmoral, Gesinnungslosigkeit und Sünde ging, verzeihen Sie meine Leidenschaft, aber ich fühle mich mit ihr --- nicht ohne daß ich das Wort „lehawdil" hinzufügen will — in der allerbesten Gesellschaft. Ich verkenne nicht die Schwierigkeiten in der Lage vieler Glaubensgenossen. Es hat so mancher getaufte Rinder, getaufte Geschwister, getaufte Freunde, getaufte Fraktionskollegen, getaufte Bundesbrüder, mit denen er nicht brechen will. Er freilich empfindet im Herzen gut jüdisch und möchte sich religiös betätigen. Das ändert aber au der Sache nichts, und der Umstand, daß ein geliebtes Rind oder ein verehrter Freund gesinnungslos und unehrenhaft handelt, macht Gesinnungslosigkeit und Unmoral noch langenicht zu einer Tugend. positive Vorschläge verlangt der Hern Verfasser von mir. Ich will und werde sie gern geben, wie ich es bereits getan habe. Sie liegen in der Hauptsache — um hier wenigstens eine kurze Hindeutung zu geben — äußerlich in der Beeinflussung der christlichen Welt, innerlich aber in einerguten, echt jüdischen häuslichen Erziehung! Den beleidigenden Vorwurf weise ich zurück, daß ich meine kritisierende,, also negative Tätigkeit als das wesentliche empfinde. Ich bin Rabbiner, meine jüdische- Aufgabe ist eine positive. Ich weiß genan so gut wie der Herr Verfasser, daß der Arzt,, der prophylaktisch wirkt und die Rrankheit verhindert, besser ist als jener, der durcheine Operation den Krankheitsherd entfernt. Aber wenn die Rrankheit vorhanden ist, dann muß eben mit scharfem Messer geschnitten werden! Der Herr Verfasser macht sich aufschlimme Vorwürfe gefaßt. Er sieht ein^ daß er nicht mit der Meinung der großen. Masse seiner selbstbewußten Glaubensgenossen übereinstimmt, und daß ich deu Standpunkt der großen Mehrheit vertrete. Daß nun diese Verachtung des Taufjudentums, welche die schöne Empfindung sittlich gibt, eine der erfreulichsten Seiten des wiedererwachenden Selbstbewußtseins ist, wird keiner bestreiten. Der Herr Verfasser wird vielleicht heute noch mit seiner Anschauung nicht: ganz allein stehen, aber ich hoffe, daß er und seine wenigen Gesinnungsgenossen sich allmählich zu uns bekehren werden. Daß. die von mir vertretenen Grundsätze fast allseitig gebilligt werden, das könnte ich durch die oft begeisterten Zustimmungskundgebungew

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