Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1914-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1914) · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 125 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3126481-3126546-3126553--1766-3128592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

125 Ar. K. Elsaß: Gibt es eine jüdische Religion oder mehrere? Esra, und Samuel hanagid und deren abweichende Ansichten und verschiedenartige Auffassung vom Judentum, Männer, die von Bildung durchtränkt, weit, weit von den Normen der bildungsfeindljchen Orthodoxie des 18. Jahrhunderts und von denen der heutigen ungarischen Orthodoxie abweichen. Die Entwicklung geht weiter und höher. Diese Epoche schließt mit der machtvollen Persönlichkeit eines Maimonides ab, der in sich die beiden Lebensprinzipien, Missenschaft und Religion, harmonisch vereinigt und den Talmudismus philosophisch begründet. Maimuni habe, wie K. hervorhebt, den großen, heiligen Irrtum gehegt, daß sein von ihm erkenntnis-theoretisch begründetes Judentum die letzte und einzig berechtigte Form des Judentums sein und bleiben werde. Mir wissen, wie schon zu Lebzeiten Maimuni's sich der Mjderspruch regte, und wie dann nach seinem Tode die Gegner und Verehrer im heißen Kampfe einander -gegenüberstanden. Das 13. Jahrhundert sah die Juden heit in zwei gegensätzliche, ja feindliche, Lager gespalten. Hier die schwärmerischen "Anhänger, dort die Verketzerer des Maimuni, hier die Verehrer, dort die Verächter der Missenschaft. In leidenschaftlicher Erregung wird der Bannstrahl von der einen, wie von der anderen Seite gezückt, doch von einer Spaltung in zwei Konfessionen, von einem Schisma war nicht die Rede. Rabbi Mose ben Nachman, der vermittelnd eingreifen will, gibt dem Ultras seiner Zeit gegenüber der Meinung Ausdruck: „man könne unmöglich die ganze Iudenheit in die Orthodoxie einzwängen." Lin Jahrhundert tobt der Kampf hin und her, bis unter den Leiden und Verfolgungen die Geistesftische und Kraft erlahmt, und auf Drängen des bildungsfeindlichen Stocktalmudisten Ascheri, Rabbi Salomo b. Adret die Beschäftigung mit der Philosophie bis zum 25. Lebensjahr mit dem Banne belegt, worauf Iedaja penini seinen Protest einlegt, daß er auch auf „Iosuas Befehl der Missenschaft nicht entsagen würde," und in Montpellier der Therem ad'rabo sich gegen alle erhebt, die Maimuni verketzerten und ihre Kinder von wissenschaftlichen Studien fernhalten wollen. Da für weite Kreise das logische, wissenschaftliche Denken geächtet ward, ward den unlogischen Phantastereien der Mystik der Meg gebahnt, die eine Zeitlang zurückgedrängt, jetzt die Herrschaft über die Gemüter anstrebt. Sie beruft sich auf ein Buch neuer, höchster Gottesoffenbarungen, auf den „Sohar", vor dessen „Glanze" für die Anhänger der Kabbala der Talmud und auch die Bibel erbleichen muß. K. hebt hervor, wie viel unjüdische Ideen und katholisierende Elemente die Kabbala in sich ausgenommen, und er wendet sich an die Orthodoxie mit der Frage, warum sie nie daran gedacht, die Sohargläubigen als „besondere Konfession" von der Gesamtjudenheit auszuschließen. In andern scharfumrissenenen Skizzen zeichnet K. die Entwicklung, welche der Talmudismus in Frankreich und Deutschland genommen und weist darauf hin, wie man in diesen Ländern, um das Verständnis des Talmud zu erschließen, der Kommentatoren bedurfte, deren klassischer Vertreter Raschi geworden. — Doch schon vor Raschi hatte auf deutschem Boden Rabbenu Gerschom b. Iehuda, „die Leuchte des Exils", die Reihe der deutschen großen Talmudlehrer eröffnet. Eigenartig genug, daß auf Rabbenu Gerschoms Veranlassung eine tiefgreifende ^„Reform" der jüdischen Lhegesetzgebung durchgeführt ward. Denn vom Standpunkte orthodoxer Geschichtsauffassung war das verbot der Vielweiberei, und die Forderung, daß ohne Einwilligung der Ehefrau gewöhnlich eine Scheidung nicht voll-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.