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Liberales Judentum · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. Seite 111

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 111 (sequence 19)
Language
German
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°° Ar. Fritz Machsner: Zur Verbesserung des jüdischen Arligionsunterrichtes 111 unserem Religionsunterricht einiges Interesse zu widmen. Besser aber ist es, wir machen selber solchen unhaltbaren Zuständen rechtzeitig ein Ende. Allein wir wollen uns nicht in unfruchtbarer Kritik erschöpfen und lieber die Grundsätze aufstellen, die bei der Anstellung von Religionslehrern maßgebend sein müssen. Wer unsere Jugend in das Wesen der Religion einführen soll, muß notwendigerweise über eine gehörige Fachbildung verfügen; es genügt nicht, daß er selber ein frommer Jude ist, der sich gewohnheitsmäßig an allen Veranstaltungen der Glaubensgemeinschaft beteiligt. Die Fachbildung des Lehrers wieder zerfällt in zwei Teile, den wissenschaftlichen und den pädagogischen. Nur der Lehrer wird auf die Jugend Eindruck machen, der ein Wissen besitzt, das weit über .den engen Lehrstoff hinausgeht, den er behandelt. Unser Religionsunterricht stellt an das Wissen des Lehrers hohe Anforderungen. Mit einem bloßen Beherrschen unseres Schrifttums ist es nicht abgetan. Die Religion ist nur die Aeußerung der allgemeinen Kultur eines Volkes. Der Lehrer wird sich nur dann den Kindern verständlich machen können, wenn er die Kultur der orientalischen Länder eingehend kennt und über jede sie betreffende Frage sachgemäß Auskunft geben kann. Ferner kann nur der die religiösen Kräfte der Vergangenheit für die Gegenwart lebendig machen, der an dem gesamten geistigen Leben der Gegenwart Anteil nimmt. Ein weltfremder Gelehrter entfremdet die Jugend ihrer Aufgabe, sich in der Welt religiös zu betätigen. So ist also dem Religionslehrer neben weitgehender Fachbildung auch große allgemeine Bildung unentbehrlich. Und zur Beherrschung des Stoffes muß ein 'Zweites kommen, die Fertigkeit darin, ihn den Schülern faßlich zu machen. Die methodischen Schwierigkeiten des Religionsunterrichts sind keine , geringen, da es sich in ihm allenthalben um die Erregung zarter Gefühlstöne handelt und man nicht dabei stehen bleiben darf, die Schüler an logisches Urteilen zu gewöhnen, sondern richtige Werturteile von ihnen verlangen muß. Doch schon auf der dem Urteilen über Gut und Böse zugrunde liegenden Stufe der einfachen Anschauung soll man die Schwierigkeiten nicht geringschätzen. Die Wiege unserer Religion, liegt in einem Lande, dessen Lebensbedingungen von den unsrigen grundverschieden, sind. Es gehört ziemliche Kunstfertigkeit dazu, den Kindern diese fremde Kultur vov Augen zu führen. Der Lehrer muß es verstehen, alle zur Verfügung stehenden Lehrmittel zu verwenden und, wo keine vorhanden sind, die richtigen zu beschaffen. Es würde zu weit gehen, dis Konsequenzen zur Darstellung zu bringen, die sichaus diesen Grundsätzen für die Studien der Religionslehrer ergeben. Eine kleine Gewähr für ihren Erfolg geben ja die Prüfungen, die wenigstens zum Teil staatlichen. Charakter tragen. Allein selbst der Kandis dat, der sämtliche Examina mit den besten Zeugnissen bestanden hat, ist noch lange nicht der geeignete Mann für unseren Religionsunterricht. Nicht wenigen Lehrern fehlt die nötige Veranlagung für dies schwierige Unterrichtsfach, das beinahe mehr erzieherische Begabung erfordert, als fachliche Kenntnisse und pädagogische Fertigkeiten. Der Religionslehrer von Gottes Gnaden hat schon die Klasse auf seiner Seite, bevor er das erste wort zu ihr spricht. Er arbeitet mit ihr zusammen, nicht in sie hinein, und bei dieser gemeinsamen Arbeit, die auch sein Innenleben, beständig bereichert, bildet sich allmählich aufgrund gegenseitiger Achtung eine feine seelische Harmonie. Die Kinder sind von der Ueberlegenheit des Lehrers gebannt undempfinden instinktiv in der Liebe, die ihnen der Lehrer entgegenbringt und' in dem frommen Sinn, dem diese Liebe entspringt, das. Walten Gottes im seiner Schöpfung. Das ist die rechte Atmosphäre für einen Religionsunterricht, der sich nicht bei der Uebermittlung. von Kenntnissen beruhigt, sondern inmitten des rücksichtslosen Daseinskampfes eine Weltanschauung anbahnt, in der doch auch Gottz das ist die Liebe, seinen s)latz findet. Im Interesse des Judentums liegt es, alle Lehrkräfte, die diese Gabe besitzen, in seinen Dienst zu stellen. Darum muß man alle Bestrebungen unterstützen, die sich den Zweck setzen, die äußere Lage der Lehrerschaft so zu gestalten, daß ihr ein mehr idealistisches. Wirken möglich wird. Was sich sofort in dieser Angelegenheit tun läßt, soll im Schlüsse dieses Aufsatzes gesagt werden.

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