Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Nr. Fritz Machsner: Zur Verbesserung des Mischen Religionsunterrichtes O» dafür war bis fetzt die Religion, soll sie auch weiter bleiben. Die Religion sei das kostbare Gut, das unsere Gesamtheit den Einzelnen reiche als Ersatz für den Entgang mancher Frucht, die der Individualismus ihm entgegenbrächte, folgte er rückhaltlos seinen Verlockungen. Damit aber die Religion wieder dies kostbare Gut werde, muß das Judentum, das dem Einzelnen die Realisierung seiner Hoffnungen nicht in vollem Rtaße bieten kann, aber auch zur Isolierung nicht zurückkehren will, zur Idealisierung des Gesamtlebens durch die Religion sich wenden, um ihm mit Hilfe der Assimilierung der Religion an die Aul tu r ideale der Jetztzeit neuen Gehalt, neuen Glanz und Wert zu leihen. Religiöse Assimilierung, d. h. Anpassung an die bestehenden christlichen Religionen wäre h eute, in dieser Zeit, da alles Alte zu ringen hat mit dem Neuen um seine Existenz, ein Widersinn, und der jüdische Gesamtheitsinstinkt lehnt sie ab. Will ein anderer Teil der Iudenheit durch freiwillige Isolierung und Rückidealisierung den Stamm kräftigen, wer wollte ihn nicht segnen ob seiner heroischen Entschlossenheit und Selbstentäußerung. Beide sind Worte des lebendigen Gottes, beide nur Werkzeuge der instinktiven Arterhaltung, der Volksintuition, beide haben nur ein Ziel: Israels Rettung. Welches der bessere Weg ist? Wozu die Frage? Ist denn das Judentum so bettelarm, daß es nur einen Weg hat, der zu seinem Gotte führt? Ist der Weg der „Neuorthodoxie" der richtige, dann kommt die Reassimilierung, seidsicher; ist unser Weg, der der Assimilierung an die Umwelt und an Kultur und Wissen der neuen Zeit der rechte, — und das ist unsere innerste und tiefste Ueberzeugung — dann hilft kein künstlicher Damm, sie bricht sich Bahn, handelt es sich doch um die Erhaltung des Ganzen gegen das Ueberschäumen der persönlichen Selbsterhaltung. Gegen diese wollen wir alle kämpfen, wenn auch mit verschiedenen Waffen. ^Die Neubelebung des jüdischen Gesamtheitsgefühls durch die Rkacht der Religion in voller politischer Freiheit und Gleichheit, das sei unser aller gemeinsames Ziel. „Stelle dich in Reih' und Glied, das Ganze zu verstärken, Rlag auch, wer's Ganze sieht, dich nicht darin bemerken. Das Ganze wirkt und du bist drin mit deinen Werken." (Rückert.) Zur Verbesserung des jüdifchen Religionsunterrichtes. Von Dr. phil. f. Wachsner-Berlin. 3. Der Religionslehrer. Es ist selbstverständlich, daß die Ausgestaltung des Religionsunterrichtes in unserem Sinne nur dann möglich ist, wenn wir über eine möglichst große Zahl erstklassiger Lehrkräfte verfügen. Wir kommen damit zu der schwierigen Frage der Lehrerbildung, der man leider bisher keineswegs genügende Beachtung geschenkt hat. .Nur die größeren Gemeinden waren in der Lage, sich ihr Lehrpersonal zweckmäßig auszu- (Zctüutz.) wählen oder gar auszubilden; auf dem Lande aber steht es mit den Religionslehrern noch heutzutage vielfach sehr schlimm, da die maßgebenden Körperschaften bei der Anstellung eine unglaubliche Leichtfertigkeit walten ließen. Lharakteristisch dafür ist eine Anzeige, die vor einiger Zeit durch die jüdische Presse ging: Eine kleine Gemeinde suchte als Religionslehrer einen pensionierten Kantor oder Schächter! Glücklicherweise beginnt in den letzten Jahren auch der Staat