Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 98 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Ar. Ziegler: Religiöse Assimilation o o Lsöhen reinen Menschentums, Judentum und Deutschtum aufs innigste in sich verschmelzend, emporgestiegen. Was er unter schweren inneren Kämpfen für sich errungen, das wollte er seinen Brüdern bringen. Trotz aller -Verketzerung und trotz allen Indifferentismus ist er seinem großen Ziele treu geblieben. Der heilige Israels wird dereinst allen Menschen das heilige Gesetz in die- Kerzen schreiben. Das war der Glaube^ der im Mittelpunkt seiner Hoffnungen und' Wünsche stand. Diesem großen Meirschheits-- ziele war seine Lebensarbeit geweiht. Wir trauern um einen großen Führer- Sein Andenken bleibt uns heilig. Dem Ziel^ dem er zustrebte, gilt unsere Arbeit. Religiöse Assimilation. von Or. X Ziegler-Karlsbad. n der Nummer 5s vom verflossenen Jahre der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlichte ich unter dem Titel „Lhanuka oder Weihnacht" einen Ruf an die liberalen Juden, die Weihnachtsfeier in ihren Familien aufzulassen und nicht den 2% Dezember, sondern den Abend des 2%. Rislew als Makkabäerfest mit ihren Rindern zu feiern. Es wurde mir imputiert, ich hätte in diesem Artikel den Antrag gestellt, die Juden sollen am 2% Rislew eine Menora aus Tannenbäumchen anfertigen und einführen. Wer den betreffenden Passus meines Artikels liest und nicht mehr Hineinlesen will als darin steht, wird mir recht geben, wenn ich mich gegen diese Insinuation energisch verwahre. Der Absatz lautet: „Ja, selbst wenn ihr in euerem Schönheitsdrang und Gleichheitsstreben eine Menora aus schönen Tannenbäumchen mit 8 Zweigen euch verfertiget, und wenn es nicht 8, sondern 80 Rerzlein sind, die ihr zu Ehren des Abends und zur Freude euerer Rinder anzünden wollet, warum nicht?" Es liegt auf der Hand, daß ich damit keinerlei Antrag stelle, sondern kein Unglück und keine Versündigung am Judentum darin erblicke, wenn jene Juden, die bis nun den Thristbaum angezündet hatten, der leichteren Fermke h r zu Liebe den liebgewonnenen Tannenbaum in der Menoraform beibehalten. Im letzten Februarheft der Monatsschrift „Liberales Judentum" geht nun Herr Justizrat Makower — einer jener Laien, denen ich in den vielfach so arg mißverstandenen „Briefe eines Laien" die Feder geliehen habe — einen ordentlichen Sprung weiter. Er stellt den Antrag, beim 2% Dezember zu bleiben und diesen Abend statt des 2% Rislew zum Makkabäerabend zu erheben. Er begründet seinen Antrag damit, daß „nur die Wiederherstellung des Ghetto hindern würde können, daß die Wellen des allgemeinen Volksfestes auch an die Kerzen des jüdischen Bevölkerungsteils schlagen." Iustizrat Makower will damit sagen: In der Freiheit sei auch die religiöse Assimilation unausweichlich. Demgegenüber betont Dr. Seligmann in einem Nachtrag zu diesem Artikel mit denkbar schärfstem Nachdruck: „Je weniger das liberale Judentum etwas wissen will von nationaler, kultureller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Absonderung, um so mehr muß es sich gegen jede religiöse A s - similation mit der leidenschaftlichen Rraft des Selbsterhaltungstriebes wehren." D. h. also: Nur keine religiöse Assimi - lation! Mit diesem Artikel beschäftigt sich die zionistische „Jüdische Rundschau" vom 20. März l. I. In dem diesbezüglichen Artikel