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Liberales Judentum · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. Seite 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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96 Hermann Usgelstem: Gottlieb Klein zu Fuße gewandert ist. 2TTxt unbeugsamer Energie hielt er unverrückt sein Ziel im Auge. Ueberraschend schnell machte der ungarische Talmudjünger sich die Schätze 'deutscher Kultur zu eigen, achtzehnjährig konnte er bereits die Universität beziehen. Zn Heidelberg und ganz besonders in Berlin studierte er. Die innere Umwandlung, die unter Kämpfen bereits in Ungarn begonnen hatte, vollendete sich in diesen Zähren. Er wurde ein begeisterter Schüler und Verehrer Abraham Geigers. An der Herausgabe von Geigers nachgelassenen Schriften hat er und sein Landsmann Zmmanuel Löw besonderen Anteil gehabt. Fünfundzwanzigjährig wurde Klein Rabbiner in Schüttenhofen. Unwillkürlich muß ich lächeln, wenn ich an das kleine, reizend gelegene Städtchen im Böhmerwalde denke, in das er mich im folgenden Zähre, auf ein paar Tage als seinen Gast mitnahm. Ein kleiner Grt, fernab vom Weltverkehr, eine kleine jüdische Gemeinde: das der Wirkungskreis eines Mannes, der zu den Großen in unserem Zudentum zählt! Für ihn war es eine vortreffliche, wertvolle- Vorbereitungszeit. Auf der Reise nach Schüttenhofen war er ^877 zuerst in das Haus meiner Eltern in Pilsen gekommen. Mir hat sich der Eindruck seines ersten Besuches unauslöschlich eingeprägt. Noch heute sehe ich ihn vor nur in meines Vaters Arbeitszimmer mit seiner hohen Stirn, dem langen, hellblonden Haar, dem rotblonden Bart — und dem lebendigen, leuchtenden Auge. Rasch war zwischen den beiden Männern feste, treue Freundschaft geschlossen; als dritter gehörte diesem Freundeskreise der benachbarte Maybaum in Saaz an. Drei Rabbiner von gleichen Anschauungen, mit gleichen! Streben, so nahe bei einander. Es war ein reger, gegenseitig anregender Verkehr, so kurze Zeit er. auch dauerte, \87ty bereits wurde Klein nach Elbing berufen, im Sommer jenes Zahres führte er die Tochter desmit Geiger in seiner Breslauer Zeit eng befreundeten Professors M. A. Levy heim, die ihm eine gleich strebende, verständnisvolle, in seiner wissenschaftlichen wie amtlichen Wirksamkeit ihn fördernde Lebensgefährtin wurde. Es ist ein unendlich glückliches Haus gewesen, in dem eine Schar von Kindern von gleicher geistiger Regsamkeit und Bedeutung wie die Eltern ausgewachsen ist. Auch das Elbinger Rabbinat hielt Klein nur wenige Zahre. So kurz diese Tätigkeit war, so nachhaltig war sie. Elbinger Gemeindemitglieder aus jener Zeit und manche seiner Schüler in Elbing .und dem benachbarten Marienburg haben mir noch nach einem Menschenalter mit Verehrung und Liebe von Klein gesprochen. Seit f883 wirkte er in Stockholm. Dort trat er zu dem gelehrten König Oskar in Beziehung, die geradezu freundschaftlichen Charakter trug. Der König ließ sich von ihm Vorlesungen halten und zeichnete ihn durch Orden und zahlreiche Beweise königlicher Huld aus, ^897 verlieh er ihm den Professortitel. Der ungarische Talmudjünger der vertraute Freund eines Königs, welche Wandlung! Aber wie war der Mann gewachsen! Das Amt in Stockholm stellte ihn vor außerordentlich schwierige Probleme. Er hatte rasch die schwedische Sprache erlernt und soll in schwedischer Sprache ein ebenso vorzüglicher Redner gewesen sein wie in deutscher Sprache. Die eigenartige Struktur der jüdischen Gemeinde hatte eigenartige religiöse Verhältnisse geschaffen. Zch erinnere mich, wie er bei einem Besuche in'meinem Elternhause H885 von seiner Wirksamkeit erzählte. Die Zugend suchte er zu gewinnen und durch die Zugend auf die Häuser zu wirken, wie vieles auch unvollendet geblieben, in wie vielem ihm der Erfolg versagt geblieben sein mag: er hat Großes

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