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Liberales Judentum · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. Seite 95

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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Hermann Nogelstein: Gotllieb Klein 95 sein. Reiner, der einmal zu den Füßen dieses Kleisters gesessen, wird die Stunden der Unterweisung in Midrasch, Homiletik und Methodik, ganz gewiß nicht die homiletischen Uebungen vergessen. Mie hat Maybaum durch sein jugendliches Feuer, durch den Reichtum seiner beruflichen Erfahrungen, durch die Sicherheit und Schärfe seiner Kritik seine Hörer zu fesseln, zu überzeugen und Hinzureißen verstanden! Er hat es selbst wiederholt bekannt, daß die Heranbildung der jungen Theologen ihm die höchste und liebste Pflicht sei. Die weitaus meisten seiner ehemaligen Schüler sind nun in größeren oder kleineren Gemeinden des Vaterlandes seine Amtsgenossen geworden. Aber nach allen Himmelsgegenden versprengt, blicken sie in einmütiger Dankbarkeit und Verehrung zu ihm auf und streben nach besten Kräften, ihren hohen Beruf in seinem Geiste zu erfüllen: dem Geiste wissenschaftlicher Erkenntnis und besonnenen Fortschritts, dem Geiste tiefer Religiosität und treuester Pflichterfüllung. Möge das Bewußtsein, tausendfachen Segen ausgestreut zu haben, dem hochverehrtes! Jubilar den Lebensabend verklären und die Freude an dem blühenden häuslichen Glück erhöhen! Möge ihm in der wohlverdienten Muße das Filter im Lichte des biblischen Spruches , erscheinen: 3>t6re8 tiferes sewo, bederech zedoko timmoze. Eine Ruhmeskrone ist das Silberhaar, das auf dein Mege gotterfüllten Mirkens gefunden ward. Göttlich Klein. Von Hermann Vogelftein. „Die Männer der Treue gehen dahin." Der Getreuesten einer, geistig und wissenschaftlich auf hoher Marte stehend, durchtränkt von. den Ideen des liberalen Judentums, ein unablässig Schaffender, ein lauterer Lharakter und eine sonnige Natur war Gottlieb Klein. Sein Tod ist ein überaus schmerzlicher, schwerer Verlust für das Gesamtjudentum und besonders für die liberale Sache. Denn wie nur wenige besaß er die Gabe, aus der Tiefe seiner Ueberzeugung heraus andere für das zu begeistern, was in ihm nach schweren Kämpfen den Kern seiner Persönlichkeit bildete, von ihin gilt in der Tat das Goethesche Mort.- Er ist ein Mensch gewesen, .und das heißt ein Kämpfer sein. Aber er war keine Kampfnatur. Eine liebenswürdige Persönlichkeit, ein Mann, der in Frieden und Freundschaft mit allen, auch mit den Andersdenkenden leben wollte und zu leben verstand, ein treuer Freund seiner Freunde und ein überzeugungstreuer, ernster, tief religiöser Denker — so steht mir feit meinen Kinderjahren sein Bild vor Augen, so hat es sich mir wieder befestigt, als ich im letzten Sommer das Glück hatte, nach Jahrzehnten wieder ein paar Stunden mit ihm zu verleben. Mohl wußte ich seit Jahren, daß ein schweres Leiden an ihm zehrte; aber seine Lebendigkeit und Frische ließ mich nicht ahnen, daß er uns so bald entrissen werden sollte. Gottlieb Klein ist am \8. Februar \852 in Hommona in Ungarn geboren. Frühzeitig kam er auf die Ieschiba nach Eisenstadt, wo er der Schüler Israel Hildesheimers war. Aber schon dem halbwüchsigen Knaben genügte die einseitige talmudische Bildung nicht. Lin unbezähmbarer Drang nach wissen trieb ihn fort nach Deutschland. Mie ein Anachronismus mutet es uns an, daß er aus seiner Heimat bis nach Mainz unter den schwierigsten Verhältnissen größtenteils

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