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Liberales Judentum · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 88

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 88 (sequence 20)
Language
German
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88 Aus der Jugendbewegung mich über die Gegensätzlichkeit des Religionsjudentums zum Zionismus belehrt. Und nun da ein Jahr verstrichen ist, sucht der Zionist Schachtel den Gindruck der Goldmannschen Rede hinterher abzuschwächen, indem er den abwesenden Gegner persönlich angreist, ohne auch nur das geringste tatsächliche Beweismaterial Vorbringen zu können. Hier zeigt sich jene bedauerliche Form der Agitation, die — Gott sei's geklagt, so viele unserer besten Glaubensgenossen von dein Besuche zionistischer Versammlungen und von einer ernsthaften Durchdenkung des nationaljüdischen Problems überhaupt abhält. Hat denn Herr Zahnarzt Schachtel, hat denn Herr Sokolow, haben denn alle Größen des deutschen Zionismus ihre jüdische Zuverlässigkeit dadurch manifestieren müssen, daß sie samt und sonders Artikel gegen den in weitesten Rreisen völlig unbekannten Herrn Marcuse veröffentlichten? Herr Zahnarzt Schachtel muß wissen, daß gerade die Zeitschrift des Tentralvereins, deren Mitarbeiter Goldmann ist, erheblich größeren Raum der Bekämpfung des Antisemitismus widmet, als etwa die zionistische „Jüdische Rundschau" — und was ist der Ausnahmegesetze fordernde Herr Marouse anders als ein jüdischer Antisemit? Herr Zahnarzt Schachtel muß wissen, daß auch der Verband deutscher Juden mit aller Entschiedenheit gegen die Ausschließung der russischen Juden aus Deutschland Stellung genonrmen hat; wie kann er es wagen, ein an sich offenbar sinnloses Argument gegen einen einzelnen vorzubringen, lediglich um so in einem unorientierten Versammlungspublikum falsche Vorstellungen über die grundsätzliche politische Haltung der nicht-zionistischen Juden zu erwecken? Herr Zahnarzt Schachtel muß weiter wissen, daß Rabbiner Goldmann sich keineswegs auf die Auseinandersetzung mit Zionisten beschränkt, daß er noch in letzter Zeit „Zm deutschen Reich" eine glänzende, tiefdurchdachte Begründung des jüdischen Rumpfes um Gleichberechtigung gegeben und im „Liberalen Judentum" einen scharfen Waffengang gegen das Renegatentum dex Taufjuden angetreten hat. wenn Zahnarzt Schachtel gleichwohl Anhaltspunkte dafür hat, daß Rabbiner Goldmann für Ausnahmegesetze gegen die russischen Juden ist, dann heraus mit den Beweisen; und man kämpfe mit offenem Visier. Ich bin der letzte, der sich über ein scharfes Wort, einem kräftigen Ton im politischen Leben zimperlich entrüsten würde, aber ich fordere Offenheit und Lauterkeit der Agitation. Denn es ist ein schlechtes Wort, daß die Politik den Charakter verderbe. Aller echte Rampf — irrt Staate wie innerhalb des Zudentumes — ist Leben, ist Erziehung, ist Selbstbesinnung; aber dazu muß er mit ritterlichen Waffen geführt werden. ftii5 der Jugendbewegung. JüLrsch-librraler Jugen-vrrein Posen. Anläßlich der Feier des j)ur imfest es vereinten wir uns am März im Hotel „Mvlius" zu einem großen Rinderballe, der im bunten Bilde eine vege Beteiligung „großer Rnaben und kleiner Mädchen" sowohl vom Zugendals auch vom Hauptverein zeigte. 2 0 Neuaufnahmen und verschiedene Spenden bildeten für uns den schönen Erfolg des Festes. Am 7. April hielt Herr Rabbiner Dr. Salzberger aus Frankfurt a. M. einen Vortrag über das Thema: „Das Recht

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