Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 87 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Schweitzer: Demagogie im Zionismus? 87 Feinde der Menschheit und der Kultur. Denn wir kämpfen nicht für unser Recht, sondern für das Recht mit blankem und ehrlichem Stahl und fleckenlosem Schilde; sie aber führen als Waffe Verleumdung und Lüge, ihre Hilfstruppen sind Dummheit und Bosheit, ihr Ziel Unrecht und Anarchie! Sie vergiften alles, auch die öffentliche Moral, und gerade diese Arbeit wird am gründlichsten besorgt von dem Taufjudentum, das durch Feigheit und Falscheid sich die Stellung in der Welt erkauft, und auf dieser Grundlage naturgemäß die allgemeinen Begriffe von Recht und Sittlichkeit in's Wanken bringt. Das Taufjudentum ist nicht unser Feind allein, es ist auch der Feind des Christentums, überhaupt jeder Religion, jeder Weltanschauung, die auf sittlichem Boden sich erhebt. Nicht einen Kampf'um kleinliche, jüdische Sonderinteressen, nicht einen Kampf des Egoismus führen wir, sondern einen Kampf für Sittlichkeit, Moral und Kultur, für die höchsten Menschheitsgüter, wenn wiv immer wieder und wieder den Weckruf erschallen lassen: Kampf dem Taufjudentum! Demagogie im Zionismus? Von Dr. jur. krnlt kmil Schroeitjer-rieurode. Am \. November vorigen Jahres fand in Breslau eine zionistische Versammlung statt, in der der erste Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung Sokolow ein interessantes, durchaus unpolemisches Referat über die praktische Tätigkeit in Palästina hielt. An diesen Bericht knüpfte der Verfasser des Zionistischen Merkbuches und frühere langjährige Vorsitzende des Zionistischen Vereins in Breslau, Herr Zahnarzt Schachtel, eine kürzere Agitationsrede. Sei es nun, daß er der Wucht seiner sachlichen Argumente nicht genügend vertraute, sei es, daß er besondere Gründe hatte, auf jeden Fall hielt er es für angebracht, seine Auseinandersetzung mit den Liberalen mit einem persönlichen Angriff zu würzen. „Sie erinnern sich, meine Herren," so etwa führte Herr Schachtel aus, „daß hier vor einiger Zeit der liberale Führer Rabbiner Dr. Goldmann eine Rede gehalten hat; damals zeigte ich ihm eine von Herrn Marcuse verfaßte Schrift, in der sich der jüdische Verfasser für das Verbot der Einwanderung ausländischer Juden ausgesprochen hat. Ich forderte Goldmann auf, gegen diese Schrjft Stellung zu nehmen; nun, Goldmann hat inzwischen unzählige Artikel gegen den Zionismus geschrieben, aber gegen Herrn Marcuse zu schreiben — dazu hat Rabbiner Goldmann noch nicht die Zeit gefunden." Zur Erklärung sei bemerkt, daß Rabbiner Goldmann vor ca. l Jahr in Breslau auf Einladung des Jüdischen Diskutierklubs eine Rede gehalten hat, in der er die Weltanschauung des liberalen Judentums darlegte. Das Korreferat hielt der zionistische Vorsitzende des Klubs Herr Margulies. Obwohl auch noch zahlreiche andere zionistische und orthodoxe Redner das Wort ergriffen, bedeutete die Versammlung einen vollen Erfolg des Herrn Referenten. Was seine persönliche Auffassung anbelangt, so war ich schon damals ein Gegner des Zionismus, aber aus politischen, nicht aus religiösen Gründen; im Gegenteil hatte mich das von Rabbiner Joseph verfaßte „Judentum am Scheidewege" zu der Ueberzeugung gebracht, daß der Zionismus vom rein religiösen Standpunkt eher zu begrüßen sei. Erst der überaus klare und eindringliche Vortrag des Rabbiner Goldmann hat