Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 84 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Ar. Goldmann: Taufjndrntum und Antisemitismus Alfonso aber, der jüngere und verschlagenere von den Brüdern, setzte es durch, daß über sie zu Gericht gesessen wurde, und sein unermüdlicher, glühender Judenhaß erwirkte durch die Darstellung der Schädlichkeit der Juden, daß eine Bulle des schismatischen Papstes Benedikt XIII. wieder aufgefrischt und betätigt wurde. Alle Privilegien für die Juden wurden dadurch aufgehoben, alle alten kanonischen Gehässigkeiten erneuert. Aemter und würden durften sie nicht bekleiden, neue Synagogen nicht bauen, alte nicht prächtig ausbessern lassen. In der Passionswoche mußten sie sich dem Anblicke der Welt entziehen. Ihrem Zeugnis wurde in Prozessen mit Andersgläubigen ein für allemal die Giltigkeit abgesxrochen, Christen durften ihnen keine Dienste, nicht einmal am Sabbat, leisten. Das Gebot der Abzeichen und der besonderen Quartiere wurde eingeschärft und jede Uebertretung mit glatter Vermögenseinziehung bestraft. Natürlich hatte diese Kundgebung der ansehnlichen Baseler Versammlung weit größere Wirkung als die unwirksame Bulle eines abgesetzten Papstes, und die Täuflinge hatten sich nicht verrechnet. Die Juden waren vogelfrei geworden, und wäre in Spanien nicht damals der kluge Günstling Johannes II., der bereits erwähnte Alvaro de Luna wieder zu. Macht gelangt, so wäre schon zu jener Zeit das spanische Judentum vollends zu Grunde gegangen. Nicht der Einfluß auf Spanien, wo ja nach dem wirken des Paulus Burgensis nicht mehr viel zu verderben war, ist jedoch das Traurige an der Tätigkeit dieser Feinde, sondern ihr Erfolg in den anderen europäischen Ländern. Besonders galt dies von den deutschen Juden, deren soziale Stellung durch das Verbot der Zulassung zu Universitätsgraden wesentlich verschlechtert wurde, und es haben, wie Gr ätz treffend bemerkt, „die Söhne des Paulus Burgensis dem Iudenhasse des Vaters eine europäische Tragweite gegeben." Die bedauerliche Lage der Juden im heutigen Preußen ist gleichfalls mit auf das Werk eines Taufjuden zurückzuführen. Julius Schlesinger, der als Thrisi Julius Stahl hieß, eine Leuchte dev protestantischen Drthodoxie wurde und die ihrer Satzung nach scharf antisemitische konservative Partei in Preußen gründete^ hat sich zwar niemals zu direkten rohen Angriffen auf Judentum und Iudenheit Hinreißen lassen. Dazu war er viel zu klug! Aber durch sein staatsrechtliches System des „christlichen Staates", hat er in unserem Lande die Feindseligkeit gegen uns Juden fest verankert, und alles Leid und Unrecht, das aus diesem Begriffe bereits erwachsen ist und noch erwachsen wird, geht auf ihn zurück. Seine Schüler waren nicht so vorsichtig und klug wie er, und was sie an Judenhaß zu entwickeln imstande warenmöge das Beispiel seines gelehrigen Jüngers D. w. B. Fränkel erweisen, den wir bereits bei den Talmud- und Gebetsbeschuldigungen kennen gelernt haben. Dieser schrieb nach seinem Uebertritt zum Christentum im Jahre I8U „das Bekenntnis eines proselyten" und wenige Monate später ein Werk unter dem Titel: „Die Unmöglichkeit der Emanzipation der Juden im christlichen Staate." Zu welchen Konsequenzen die Lehren Stahls kleinere Geister anregten, mögen folgende interessante Punkte erweisen.. Während Fränkel offen zugesteht, daß es einen Rechtsgrund für die Unterdrückung der Juden nicht gebe, verlangt er ihre Ausschließung aus allen Geschäften des Staates und erklärt ihre Emanzipation für unmöglich, weil sich dem der weltüberwindende Glaube des Christentums entgegenstellt. Nach altem Rezept beweist er das Christentum aus dem alten Testament, erklärt die hartnäckigen Juden allesamt für Verbrecher und verlangt, wenn auch ein wenig verklausuliert, weiter