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Liberales Judentum · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 83 (sequence 15)
Language
German
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Ar. Goldmann: Taufjndentnm und Antisemitismus 83 Das Hauptwerk dieses Renegaten waren aber die berüchtigten 2\ Artikel vom \2. Januar die nach dem Urteil von antisemitischen (Christen „kränkend hart, unmenschlich und grausam" waren. Die auf seine Veranlassung geschaffenen Gesetze hatten den ausgesprochenen Zweck, die Juden zu Bettlern.zu machen, sie zu demütigen und zum Auswurf der Menschheit umzugestalten. Einige Sonderbestimmungen mögen die entsetzliche Gesinnungsroheit des Täuflings kennzeichnen. Die Juden sollten im Ghetto wohnen, und auf Uebertretung stand körperliche Züchtigung! Sie durften nicht Handwerker, nicht Aerzte werden, keine Geschäfte mit Christen betreiben, selbstverständlich auch keine Aemter bekleiden. Sie mußten Iudentracht von grobem Stosfe und sonstige erniedrigende, grellfarbige Abzeichen tragen und sich den Bart wild wachsen lassen. Als öauptstrafe war neben unerschwinglicher Geldbuße entehrende peitschung bestimmt. Die Freizügigkeit wurde vollständig aufgehoben, wer bei einem Auswanderungsversuche ertappt wurde, müßte in die Sklaverei wandern. Die Juden wurden einfach wie Hunde behandelt, und die unerbittlich strenge und rohe Durchführung der Gesetze ertötete nicht nur jedes Ehrgefühl, sondern es Kürzte die Wehrlosen in namenloses Elend. Die Reichen ließen sich taufen, die Armen wurden noch ärmer und allerorten machte sich als Begleiterscheinung eine geistige jDroletarisierung geltend. Es ist nicht übertrieben, wenn ein Zeitgenosse die Folgen dieses Täuflingsstreiches also schildert: „Die Rinder starben auf dem Schoß der Mutter vor Not und Nacktheit". Der unbarmherzige proselyt, der mit satter Genugtuung und unverhohlener Freude die Ausnahmegesetze und Mißhandlungen, die den unglückseligen Juden zugefügt wurden, aufzählt, konnte mit seinem Erfolge wohl zufrieden sein, und aus seinem Stolze darauf hat er niemals einen Hehl gemacht. So war das Leben dieses j)aulus gleich dem seines Namenspatrons ausgefüllt mit der Bekämpfung seiner ehemaligen Brüder. Am scheußlichsten ist vielleicht ein Zug, der aus dem Jahre vor seinem Tode berichtet wird. Da sprach er es nämlich kühnlich aus, daß Gott sich des Fernando M a r t i n e z aus Sevilla als eines Werkzeuges bedient habe, damit das tapfere (sic!) Volk angestachelt werde, das vergossene Blut Jesu an den Juden zu rächen! Dieser Fernando war nun ein Bluthund der allerschlimmsten Sorte, der Tausende und Abertausende von Juden, hilflose Greise, schwache Frauen, unschuldige Rinder dahingemordet hatte, der in Strömen von Iudenblut und Iudentränen watete. Diesen Iudenschlächter preist der Täufling als das Werkzeug Gottes! Ein Grauen überkommt einen jeden, wenn er den versuch macht, sich in die Seele eines Menschen zu versetzen, den Roheit und Gemeinheit der Gesinnung, den blinder fanatischer Haß zu einer solchen Gotteslästerung Hinreißen konnten. Der innige Wunsch, den er im Anschluß daran aussprach, daß die blutigen Greuel von sich wiederholen möchten, scheiterte nur daran, daß geborene Lhristen, vor allem der berühmte Alvaro deLuna weniger judenfeindlich waren als der Apostat. Durchaus des Vaters würdig, waren auch seine Söhne, welche Gonzala ((579 bis (^8) und Alfonso ((38^—^56) d e Cartagena hießen; beide waren spanische Rirchenfürsten, die auf dem Baseler Ronzil (Ms—Mo), nicht damit zufrieden, daß ihr Vater die spanischen Juden ruiniert hatte, dasselbe Schicksal auch den Juden anderer Länder zudachten. Das Ronzil und der j)apst E u g e n i u s IV. dachten anfangs garnicht daran, die Judenfrag'e zum Gegenstände der Verhandlungen zu machen oder gar die Juden als gefährlich zu betrachten und demgemäß zu behandeln.

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