Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 82 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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82 O O o o Ar. Goldmann: Taufzudentnm und Antisemitismus gegen die Juden und ihre Anschauungen gerichtetes B.uch „de comprobatione sextae aetatis libri tres" verfaßt hat. veranlaßte in Frankreich der öfters erwähnte getaufte Dominikaner Pablo Lhristiani, daß König Ludwig XI. von Frankreich das alte kanonische Edikt vom Tragen der Iudenabzeichen wieder einschärfte, und es wurde nicht nur eine besonders auffallende, abstoßende und rohe Form gewählt, sondern auf die Nichtbefolgung wurden auch schwere Geldstrafen gesetzt. Alle Bemühungen, eine Milderung herbeizuführen, scheiterten an der Zähigkeit des Täuflings. Der Befehl blieb denn auch bis zur Vertreibung der Zuden aus Frankreich im Zahre (306 in Kraft. Gins der furchtbarsten Ungeheuer, die der Menschheit Geschichte aufzuweisen hat, der unerbittlichste und gehässigste Judenfeind, der dem schwergeprüften Zsrael unsagbare Leiden angetan und mehr noch zugedacht hat, war Salomo Levi aus Burgos (1350 bis V^35), ein Rabbiner von der strenggläubigsten Richtung, der infolge von Judenverfolgungen in seinem ^0. Lebensjahre (etwa 1390) die Taufe annahm und seitdem in der Geschichte des Judentums unter dem Namen Paulus a Santa Maria (Paulus Burgensis) eine sehr traurige Berühmtheit erlangt hat. wenn er auch selber in seinen Schriften den Uebertritt naturgemäß mit inneren Gründen zu rechtfertigen sucht, so war er doch in Wahrheit nichts wie ein von der Angst um sein kostbares Leben gejagter, ganz gerissener Karrieretäufling, und er bewies das alsbald, indem er den damals allein zu Ruhm und Ehren führenden Weg einschlug und Geistlicher wurde. Die Einzelheiten seiner beispiellos glänzenden Laufbahn seien hier übergangen; sie ist aber zum größten Teil darauf zurückzuführen, daß er meisterhaft die Juden anzuschwärzen verstand, daß er Judenverfolgungen anzettelte und besonders beim Könige und beim Papste Haß gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen zu erregen wußte. Dabei trieb er es so offensichtlich und auffallend, daß angesehene Thristen, wie der Kardinal von Pampeluna sich davon angewidert fühlten und ihm — allerdings vergeblich — Schweigen auferlegten. Es wird berichtet, daß er dem Könige Heinrich III. den Rat gegeben habe, nicht nur keine Juden — das war natürlich und selbstverständlich — sondern auch keinen getauften Juden zu irgend, einem Amte zuzulassen. Gr kannte die Konkurrenz und fürchtete sie! Zur eigentlichen wirksamen Gntfaltung kam sein Judenhaß erst, als er nicht mehr bloßer Berater des Königs war, sondern selber Anteil an der Regierung hatte. Das war nach dem Tode Heinrichs III. der Fall, und als Mitglied des Staatsrates und Erzieher des minderjährigen Johann II. ließ er seine ganze Wut an den Zuden Kastiliens aus. (H08 wurde von ihm ein älteres vergessenes Edikt aufgefrischt, welches den Zuden jede Bekleidung von Aemtern streng untersagte; und diese Maßregel hatte praktische Bedeutung, da es damals Zuden bis in die höchsten Stellen hinein gab. Paulus vermehrte nicht etwa den Druck einer verachteten und verarmten Menschenklasse, sondern er suchte eine angesehene Schicht zu Parias herabzudrücken. Der Jude, der das Gesetz übertrat, sollte hohe Geldstrafe bis züm Verlust seines 'ganzen Vermögens zahlen und gar noch Geißelhiebe erhalten. Aber auch der Thrist, der einem Zuden ein Amt gab, sollte schwer bestraft werden. Um den Erfolg zu sichern, sprach der Täufling dem Angeber einer Uebertretung sowie dem verurteilenden Gerichtshöfe (!) je ein Drittel der konfiszierten Summe zu. Man kann sich hiernach einen Begriff von der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit eines spanischen Gerichtshofes in solchen Klagen machen.