Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Gold mann: Taufzu-rntrrm und Antrfrmitrsmus 3L eigene Natur weist, zwar nicht zur Vereinigung mit der Gottheit, — von diesem mystischen Gipfel hält sich Maimonides fern — aber er erklimmt eine höhere Stufe der Geistigkeit und nähert sich dem Göttlichen, das ihm seine Straße bahnt. Des Aristoteles Gott ist selig im ewigen Denken seiner selbst. Der Mensch des Maimonides erfüllt seine ewige Aufgabe, indem das Denken, das Erkennen der Wahrheit, zum Inhalt seines Lebens wird. Je näher er diesem Ziele rückt, je tiefer er die Welt, ihr wahrhaftes Wesen, die Offenbarung Gottes, in ihr erkennt, desto fester wurzelt er sich selbst in das Seiende ein. Er wird selber zur Wahr- , heit, wenn er mitaller Kraft seiner Seele wahrhaftig ist. Das mag ein eigener Weg sein, der zu Gott bringt, aber daß er würdig ist, zu so hohem 'Ziele zu führen, wird niemand leugnen. lauhuäentum und Antisemitismus! Von Dr.?e!ix Goldmann. Tanfjnden als Feinde jüdischer Gleichberechtigung! Täuflinge als erbitterte Gegner unserer Gleichberechtigung! In diesem -Kapitel müßte man eigentlich die bisher erwähnten Namen nochmals vollzählig aufmarschieren lassen, denn bei allen Anklagen, Vorwürfen, Verleumdungen und Verfolgungen schlumnrert im Geheimen als letzter Antrieb der Wunsch, dem Juden sein Recht zu nehmen. Alle jene Männer aus jüdischem Stamme, welche sich zu Trägern und Werkzeugen des Judenhasses gemacht Haben, gehören hierher. Wenn auch der Haß sich auf Sondergebieten austobt, Raub der Menschenrechte ist sein letztes Ziel! Ein Talmudfeind wie Pfefferkorn, ein Bekehrungsfanatiker wie Gäronimo da Santa L6, sie alle waren Leinde des jüdischen Rechtes. Hier seien nur noch einige Täuflinge behandelt, bei denen dieses Bestreben besonders markant hervortritt. Der erste unter ihnen freilich, der große spanische Rirchenfürst Julian von Toledo, der um das Ende des siebenten Jahrhunderts lebte, sei nur mit Vorbehalt genormt, denn wenn er auch sicherlich von Juden abstammt — der Erzbischof Isidor pacense von j)az Augusta, ein von (äcblutz.) den Historikern wegen seiner Zuverlässigkeit sehr geschätzter Geschichtsschreiber aus dev Mitte des achten Jahrhunderts behauptet es mit aller Bestimmtheit — so läßt sich doch nicht mit voller Bestimmtheit feststellen, ob er selber oder seine Eltern zum Thristentnm übergetreten sind. Er erlangte (680) das Amt eines Erzbischofs von Toledo, und in dieser Eigenschaft präsidierte er dem zwölften Konzil von Toledo, welches nicht nur alte Gesetze gegen die Juden neu einschärfte, sondern auch neue verordnete, die an Unmenschlichkeit und Grausamkeit kaum zu übertreffen waren. Mit der Juden Religionmachte man kurzen Prozeß. Es wurde ihnen einfach befohlen, sich nebst allen Kindern und Angehörigen innerhalb eines Jahres taufen zu lassen, sonst würden sie durch hundert Geißelhiebe, durch Konsiskation der Güter, durch Skalpieren, d. h. Abziehen der Kopf- und Stirnhaut (!) sowie durch Landesverweisung bestraft werden. Daß die Leier aller Leste, die Beschneidung, sogar die Unterscheidung von rituell Erlaubtem und Verbotenem untersagt war, ist gegenüber dem bereits erwähnten nur eine Kleinigkeit. Das Gesetz mit seinen unglaublichen Bestimmungenist tatsächlich zur Anwendung gekommen. Von Julian ist noch bekannt, daß er ein-