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Liberales Judentum · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 76

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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76 Ar. Menemann : „Mas Auch «am jüdischen Gottesdienst' und die nach ihrer Meinung begangenen Irrtümer .abzustellen versucht, wer weiß, welche Entwicklung das Judentum in Deutschland genommen hätte." Und es war wiederum von Seiten vieler Neuerer ein schwerer Fehler, daß sie bei manchen Aenderungen sich weniger von religiösen Gesichtspunkten als von der Erwägung leiten ließen, es müsse diese oder jene Stelle des Gebetes dem Streben nach bürgerlicher Gleichberechtigung aufgeopfert werden. Das Recht der Gegenwart in allen Ehren, aber es darf nicht sein, „daß die Anpassung d6r Religion an die Gegenwart zum leitenden Prinzip der Reform wird, und daß alle Forderungen der Zeit für das höchste Gesetz auch in der Religion erklärt werden." An einen Schaden, an dem auch wir heute noch kranken, werden wir erinnert, wenn wir den folgenden Satz lesen: „Der schwerste Mißstand .... war der, daß Männer, die für ihre Person sich von der Beobachtung der herkömmlichen jüdischen Satzungen vollständig losgesagt hatten, gegen die Aenderung des unwesentlichsten Brauches in der Synagoge so entschieden Stellung nahmen, als wäre dadurch der Bestand des Judentums gefährdet." Was dem Verfasser als Aufgabe aller Reform erscheint, das sagt er, nachdem er das Anerkennenswerte, Berechtigte und Notwendige der Reform hervorgehoben und auf die Punkte hingewiesen hat, über die eigentlich eine Einigung zu erzielen sein müßte, mit folgenden Worten der Kritik: „Es bleibt der Arbeit genug zu tun; mit der Aenderung und Zusammenstreichung der Gebete ist wenig erreicht .... Es ist der Reformbewegung nicht gelungen, die angestrebte Freiheit in die gottesdienstlichen Formen zu bringen, dazu mangelte es ihren Anhängern an Verständnis, an liebevoller Vertiefung. Auch der Gefahr der Veräußerlichung ist der reformierte Gottesdienst nicht entgangen, sein Programm ist eine nicht minder starke Bindung geworden wie die der alten Gebetordnungen .... Die Vertrautheit mit dem Gottesdienst hat trotz seiner Vereinfachung nicht zugenommen, die Gleichgültigkeit gegen seine Einrichtungen ist gewachsen .... Darin aber liegt die wichtigste Aufgabe für die Zukunft, die alte Begeisterung für den Gottesdienst, die Innigkeit der Gebetsstimmung wieder zu erwecken. Der Gottesdienst muß wieder werden, was er den Vätern gewesen: der Mittelpunkt des religiösen Lebens, eine Stätte religiöser Sammlung und weihe." Eines leuchtet aus allen Blättern des Buches erneut auf, das Fließende unseres Gottesdienstes, daß er in langen Perioden allmählich geworden ist, und .daß man es, abgesehen von den letzten Jahrhunderten vor der Neuzeit, immer verstanden hat, das Gebet in lebendiger Beweglichkeit zu erhalten. Nicht ohne Neid schauen wir auf jene älteren Zeiten, in denen die Gebete einfach und kurz, den Bedürfnissen der Gemeinde angepaßt waren; und sieht man gar erst, wie die Auswahl in den Gebetbüchern, die sich bei uns Eingang verschafft hatten, wesentlich mit auf der Willkür der Drucker beruht, die sich für ihre Ausgaben der Gebete nicht grade von Erwägungen der Frömmigkeit leiten ließen, um so lächerlicher erscheint die Vergottung des Siddurs, der wir so oft begegnen. Nur daß auch wir niemals vergessen dürfen, daß „die Geschichte über alle radikalen Umwälzungen ihr Verdikt fällt," und daß ändern nur darf, wer selbst im Innern von wahrhafter und tiefer Frömmigkeit erfüllt ist und dieser Frömmigkeit Ausdruck geben will. Dem Verfasser gebührt ein besonderes Lob für die vornehme Objektivität, in der das Buch gehalten ist. Sie ist gerade bei einem solchen Thema besonders schwierig, noch dazu, wenn man mit dem Kerzen

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