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Liberales Judentum · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 72

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 Ar. Aienemann: „Aas Such vom Mischen Gottesdienst" „Das buck vom jüdifchen GottesdienTt.“ Von Rabbiner Dr. Dienemann-Ratibor. egen Lnde des verflossenen Jahres erschien als ein Teil des von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums herausgegebenen „Grundrisses der Gesamtwissenschaft des Judentums" das lang erwartete Buch, das von dem jüdischen Gottesdienst handelt. Ls ist bearbeitet von dem rühmlichst bekannten Dozenten an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Dr. Ismar Llbogen und führt den Titel „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Lntwicklung" (Leipzig, Gustav Fock, XVI und 6(9 5.). Der Besprechung dieses Buches gebührt ein breiter Raum in unserer Zeitschrift; und zwar nicht allein wegen seines inneren Wertes, sondern vor allem, weil dieses Blatt den religiösen Unteressen dienen will und die Fürsorge für den Gottesdienst demzufolge eine der wichtigsten seiner Aufgaben ist. Line lebendige Anteilnahme an der Ausgestaltung des jüd. Gottesdienstes kann die Kenntnis seiner inneren Gesetze, seiner Struktur, seines Werdens und der leitenden Ideen, die in ihm nach Ausdruck ringen, nicht entbehren. Run hat es bislang an einem Werke gefehlt, das erschöpfend die ganze einschlägige Materie in einer weise behandelt, daß auch der nicht fachmännisch Gebildete in das Verständnis eindringen kann. Wir hatten Darstellungen einzelner Teile des alten Gebetes und gelehrte Untersuchungen über die piutim, die mittelalterlichen Dichtungen, aber nirgends gab es einen Ueberblick über den gesamten Gottesdienst, über sein werden, den plan und die Anlage des Gemeindegebets, über das Verhältnis der einzelnen Teile zu einander. Llbogen, dessen Bestreben darauf gerichtet war, „den Gottesdienst als Linheit anschaulich und greifbar in die Lrscheinung treten zu lassen," füllt mit seinem Buche diese Lücke aus und füllt sie in einerweise aus, daß inan seiner Arbeitsleistung uneingeschränkte Anerkennung zollen und laut zum Ausdruck bringen muß, wie dankbar wir ihm für die Bereicherung unseres Wissens sein müssen. Line kurze, nur die wichtigsten Ueberschriften aufzählende Angabe des Inhalts wird einen ungefähren Begriff von der Fülle des Gebotenen geben. Lr stellt zuerst den täglichen Gottesdienst dar. Die Teile, aus denen das Gemeindegebet sich heut zusammensetzt, werden nach einander besprochen, die Urform ihres Wortlautes wird erforscht, die Lntwicklung, den die Gestaltung ihres Textes äm Laufe der Jahrhunderte nahm, verfolgt, und wir gewahren, wie die einzelnen Stücke — mitunter gar nicht für den täglichen Gottesdienst gedacht, sondern von gewissen festlichen Tagen aus allmählich in ihn eingewandert — sich zu dem heut vorliegenden Ganzen zusämmenfügten. Die Untersuchung der Textgestalt wird dadurch belebt, daß überall die leitenden Ideen, die in den verschiedenen Gebetstücken zum Ausdruck kommen sollen, herausgehoben werden, und es hat z. B. seinen besonderen Reiz, in einer zusammenhängenden Darstellung die Romposition und den plan eines so wichtigen und geläufigen Gebetes wie der Schemoneh - Lßreh, des Achtzehngebetes, zu erfahren. Daran schließt sich die Darstellung des Gottesdienstes an den ausgezeichneten Tagen, des Sabbats, der Halbfeste, Fasttage und Feste. Ls folgt die Behandlung der Vorlesung und Auslegung der Bibel; die ganze Lntwicklung, die die Thoravorlesung mit all ihrem Zubehör und die Schrifterläuterung seit den ältesten Tagen bis auf unsere Zeit

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