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Liberales Judentum · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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Hermann Itzig: Lauheit — Fanatismus 71 n e n. beider trat das liberale Judent u in mit seinen frischen, zeitgemäße n Ideen erst zu Lude des vorigen Jahrhunderts organisatorisch auf, somit leider verspätet genug. Der Lauheit, der Gleichgültigkeit muß aus allen Lagern des Judentums ein energischer K a m p f r u f ent - g e g e n s ch a l l e n! Werbung für's Judentum im Judentum soll die Parole heißen. Wir liberalen Juden haben insonderheit die Verpflichtung, für die Stärkung und Festigung des neuen Judentums zu sorgen. Unsere Ideale vermögen noch am ehesten die Geister an Israel zu fesseln, die sich ihm abgewandt hatten, die kein Bindungsglied mehr zwischen sich und der jüdischen Gemeinschaft zu finden verstanden. Darum ist es unsere Ueberzeugung, d a ß e s i m I n t e re ss e des G.esamt-Iudentums ein liberales Judentum notwendig geben muß, das die Kraft besitzt, für das Wesen des Judentums immerdar zu begeistern und durch seine positive Arbeit alle Lauheit zu bannen. Dann aber muß in unseren eigenen Reihen auch begeistertes Streben herrschen, wir wollen ausnahmslos überzeugte Mitglieder für unsere gute Sache und nimmer m ehr nur teilnahmslose Mitläufer! Solche dienen uns nicht, — sie schaden nur. Bur in fanatischem Eifer werden wir unsere Ideen nach innen und nach' außen zu Erfolgen führen können. Ueber das Ziel hinausschießen, hat dem Ziele selbst nie geschadet. Verwerfen wir nicht gleich den Begriff eines gewissen Fanatismus. Zur Auferweckung der Indolenz ist Begeisterung zu lau; machen wir uns daher heiligen Eifer zu eigen, dann werden wir uns zunächst notwendige Beachtung und Aufmerksamkeit sichern, wie zuletzt beste Erfolge. Und gute Erfolge dürfen wir ebenfalls von der Arbeit unserer jungen Generation erhoffen, wenn wir unsere. Jugend beizeiten zu voller Begeisterung und zu fanatischem Eifer erziehen. Es ist dies ohnehin unsere mindeste Pflicht. Schaffen wir allenthalben jüdisch-liberale Jugendvereine, die unsereit Iünglingen u n d UI ä d ch e n d e n o r t z n r B e g r ü n - düng, Ausbildung und Entwicklung jüdisch-liberaler Weltanschauung geben. Da kann schon eifervolle Betätigung unserer bsauptvereine einsetzen und zuin wenigsten wäre die Neugründung von jüdisch-liberalen Iugendvereinen die nächste wichtigste Aufgabe derselben. Das Feld müssen wir für unsere Jugend unterallen Umständen behaupten, denn hier liegt unsere Zukunft, unsere Hoffnung. „Utensch sein, heißt Kämpfer sein, Jude sein, umsomehr!" Kämpfen wir weiterhin mit heiligem Eifer für unsere Ideale und zeigen wir der Welt, daß wir ihr gewiß geben wollen, was ihrer ist, aber auch für uns beanspruchen, was unser ist. In dem alten Zeichen, im Zeichen der Religion wird unser Judentum e i n st m a l s si e g e n u n d den Sieg wo l - len wir v o r b e r e i t e n helfen. Beherzigen wir darum noch: „wer niemals im Kampfe g e standen, wird nimmer als Sieger geehrt!"

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