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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 67

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 67 (sequence 23)
Language
German
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oo o o Nrmdfchau— Nürnberg 67 sie müsse den Rindern vererbt und für olle Zukunft erhalten bleiben. Der Rumpf gegen den Zionismus und seine nationalen Bestrebungen sei ein Rampf für die Religion. — Die Versammlung begrüßte mit Genugtuung alle diese Ausführungen und gab ihre lebhafteste Zustimmung zu der Erklärung zu erkennen, welche die angesehensten deutschen Juden, die geistigen Häupter und Führer der Gemeinden gegen den Zionismus veröffentlicht haben. Der Vorsitzende dankte den Rednern und schloß die Versammlung mit der Mitteilung, daß bald wieder eine Versammlung stattfinden werde, die Gemeindeangelegenheiten zum Gegenstände ihrer Tagesordnung haben werde. Ksrtrag brr Frau Elfe Dormitzer. Nürnberg. Ebenso wie es ein Erfolg des Reichsvereinsgesetzes ist, daß die Frauen sich mehr mit den öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen, ist es zweifelsohne ein Verdienst der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland", die Frauen für die religiösen und sozialen Fragen des Judentums interessiert zu Haben. Ueberall im Reiche hört und liest man, daß geistig hochstehende Frauen die naturgemäße weibliche Scheu vor der Öffentlichkeit überwindend, in jüdischen Angelegenheiten das Wort ergreifen,^ um die Lauen im Lande aufzurütteln und die Zaghaften zu ermutigen. So :■ lesen wir aus Aachen von einem Vortrag von Frau Mathilde Wertheim über „Das liberale Judentum vom Standpunkt des Laien" und von 2 Vorträgen, welche in der Frankfurt-Loge gehalten wurden und zwar von Frau Ella Seligmann über „Die Wandlung im Leben der jüdischen Frau" und von Frau Martha Schlesinger Liber „\0 Jahre jüdische Arbeit". Hier in Nürnberg hat der „verein für die Interessen des liberalen Judentums" seinen Mitgliedern am 2. Februar einen Vortrag von Frau Else Dormitzer, Rechtsanwaltsgattin, über „Jüdische Tagesfragen" geboten, einer Dame, die sich unter dem Pseudonym „Else Dorn" bereits einen schriftstellerischen Namen erworben und welche der allgemeinen Zeitung des „Judentums" und der Monatsschrift „Liberales Judentum" schon wiederholt interessante Beiträge geliefert hat. Die Vortragende hat in gewählter Sprache und in fesselnder Form alle sozialen und religiösen Probleme des Judentums, welche jetzt an der Tagesordnung sind, in kritischer, aber streng objektiver Beleuchtung den Hörern vorgeführt. Die Rednerin konstatierte, daß das Judentum bedauerlicher Weise von 'vielen seiner Angehörigen für einen Geburtsfehler betrachtet würde, und daß diese Rategorie unserer Glaubensgenossen für alles mögliche Zeit, Lust und Interesse hätte, außer für die Angelegenheiten des Judentums. Viele verleugnen das Judentum, oder wechseln ihren angestammten Glauben lediglich um äußere Vorteile zu erringen, sei es zum Eintritt in ein vornehmes Studentenkorps oder um als Beamter oder Offizier Beförderungschancen zu genießen. Ebenso gibt es viele Damen aus jüdischen Rreisen, deren Ziel der höchsten Sehnsucht ist, in christlichen Rreisen Eingang zu sinden, in welchen sie jedoch trotzdem nicht für voll genommen werden, denn gewöhnlich ist die gesuchte Freundschaft mit Beendigung des Wohltätigkeitsbazars oder der zufällig gemeinsamen Sommerreise auch erledigt. Den vornehmen christlichen Rreisen imponiert es, so führte die Rednerirr weiter aus, viel mehr, wenn ein Jude sein Judentum in zielbewüßter Weise hoch hält. Deshalb soll schon von frühester Jugend an die Erziehung der Rinder dahin gehen, daß sie mit verständnisvoller Pietät dem Glauben der Väter Treue bewahren und des Wertes des Judentums bewußt sind. Man soll die Rinder anhalten, den Gottesdienst, der naturgemäß von modernem Geiste erfüllt sein soll, insbesonders den Iugendgottesdienst so oft als möglich zu besuchen. Man soll ferner den alt-jüdischen Familiensinn pflegen und weiterpflanzen durch die .sinnige Feier des Freitagsabends im Llternhause und im Familienkreise. Die Eltern sollen die Rinder dahin beeinflussen, daß der Religionsunterricht nicht als nebensächlich von der Jugend betrachtet wird. Allerdings soll der Unterricht in der Religionsstunde dadurch das Interesse für das Judentum erhöhen, daß neben der biblischen Geschichte auch die hervorragenden Männer und Frauen aus dem Judentum, welche sich in Runst, Wissenschaft, in der Politik, in Handel und Industrie einen führenden Na-

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