Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 68 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3126481-3126546-3126550--1706-3128529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 Rundschau — Detmold, Unna i. M. men erworben, erwähnt und besprochen werden. Das Judentum hat das Recht, stolz auf seinen Glauben und auf seine Vergangenheit zu sein. Der Vortrag fand bei der außerordentlich zahlreich erschienenen Zuhörerschaft begeisterten Beifall und lebhafte Anerkennung. Uartras des Herrn Rabbiner Nr. Tänzer- Göppingen. Netwold. Die am 7. Februar im Hotel „Arminus" unter dem Vorsitz des Herrn Direktor Carl Vogel veranstaltete Versammlung der vorerst noch kleinen Ortsgruppe Detmold der Vereinigung für das liberale Judentum, in der Herr Rabbiner Dr. Tänzer aus Göppingen über „Die Einheit des Iudentumes" sprach, hatte einen sehr zahlreichen Besuch aufzuweisen, trotzdem an demselben Tage im benachbarten Herford eine große politische liberale Versammlung stattfand, zu der auch, da es sich um eine gemeinsame Veranstaltung der Fortschrittlichen Volkspartei und des Tentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens handelte, zahlreiche Detmolder Herren gefahren waren. Allerdings war durch diesen Umstand das weibliche Element in der Zuhörerschaft etwas stärker vertreten. Herr Dr. Tänzer wies in. historisch kritischer weise nach, daß eine Störung der Einheit des Judentums bis heute noch niemals von liberaler Seite versucht oder beabsichtigt gewesen war, daß im Gegenteil alle derartigen Trennungsbestrebungen einzig und allein von einer kleinen aber desto fanatischeren Gruppe, den sogenannten „Trennungsorthodoxen", ausgehe, die im Gegensatz zu den verständigeren Mitgliedern der Orthodoxie sich, wenn auch bisher meistens vergeblich, so doch in einzelnen Fällen schon mit Erfolg bemühten, den Staatsbehörden gegenüber die Fiktion von zwei Konfessionen innerhalb des Judentums aufrecht zu erhalten. Nichts dergleichen könne derjenige liberale oder orthodoxe Glaubensgenosse behaupten, der ohne Voreingenommenheit die Richtlinien der liberalen Vereinigung zu lesen und zu würdigen versuche, die gerade das Einigende der beiden Grundanschauungen betonen und nur einen Unterschied zwischen dem Wesen und den dieses Wesen mehr oder weniger fördernden Formen des jüdischen Religions- Bekenntnisses stipulieren. wer ohne Beachtung der sämtlichen überlieferten alten Formen nicht glaube, seiner jüdischen Pflicht genügt zu haben, möge ruhig bei denselben beharren, wer sie aber teilweise für überlebt, veraltet, wer sie für bildungs- und entwicklungsfähig betrachte, und deshalb einzelne beibehalte, andere verändere oder sogar nicht mehr beachte, muß ebenso wie der Orthodoxe als guter und treuer Jude angesprochen werden, sofern er nur dem Kern, d. h. dem Wesen des Judentums treu bleibe. Die Einheit des Judentums beruhe außerdem auf zahlreichen inneren und äußeren Gründen, die beide Richtungen gemeinsam als vorhanden anerkennen müßten, wie der Redner ausführlich darlegte, und nur Intoleranz könne dem gegenüber etwas Trennendes hervorsuchen wollen, wo man über. das Ziel und den Zweck'einig sei und nur die zum Zweck führenden Mittel verschieden bewerte. Stürmischer Beifall belohnte den Redner am Schlüsse seiner Ausführungen für die außerordentlich geistreiche und formvollendete Ansprache, die in glücklichster Weise die religionserhaltende, und Einheit fördernde Tätigkeit der liberalen Bewegung beleuchtete und dem aufmerksamen Zuhörer eine willkommene Gelegenheit bot über diese soviel angefeindete Bewegung aus berufenem Munde Authentisches zu hören. Dem Vortrag schloß sich, da der Saal nur noch eine halbe Stunde zur Verfügung stand, eine nur kurze Diskussion an, die dem Redner Gelegenheit bot, eine von einer Minorität mißverstandene Bemerkung richtig zu stellen und Beweis dafür gab, daß schon die Veranstaltung solcher Versammlungen einen Gewinn für das jüdische Gemeindeleben bedeutet. Auch in Unna i. M. hielt Herr Dr Tänzer am O. Februar über das gleiche Thema einen Vortrag, an den sich eine sehr lebhafte Diskussion anschloß. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 49. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29- Druck und Expedition von Voigt & Eleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Eafse 6.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.